Mindestens vier Tote bei Selbstmordanschlag in Damaskus

27. Juni 2013, 23:12
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Assad-Truppen nahmen Al-Kariatain ein - Russland mit Vorwürfen gegen Saudi-Arabien

Damaskus/Istanbul - Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus sind mindestens vier Menschen getötet worden. Das Attentat habe sich am Donnerstag in einem christlichen Viertel ereignet, aber offenbar einer schiitischen Hilfsorganisation gegolten, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Bei einem "terroristischen Selbstmordanschlag" seien vier Menschen getötet und mehrere weitere Menschen verletzt worden, berichtete das syrische Staatsfernsehen. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurden zwei Geschäfte durch die Explosion beschädigt.

Der Chef der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte AFP, eigentliches Anschlagsziel sei offenbar das nahegelegene Büro der schiitischen Hilfsorganisation Ihsan gewesen. Die Mehrheit der syrischen Bevölkerung sowie der Aufständischen sind sunnitische Muslime, Staatschef Bashar al-Assad gehört der Minderheit der Alawiten an, einer Abspaltung des schiitischen Islams.

"Frieden und Sicherheit wiederhergestellt"

In der zentralen Provinz Homs stürmten Assads Truppen die Stadt Al-Kariatain. Die Armee habe dort "Frieden und Sicherheit wiederhergestellt", berichtete das Staatsfernsehen. Rahman sagte, nach der Erstürmung von Al-Kariatain nach tagelangen heftigen Kämpfen durchkämme die Armee die Stadt und nehme Menschen fest.

Die Staatsführung strebe zudem einen "moralischen Sieg" durch die Eroberung der Stadt Homs an, die als "Hauptstadt der Revolution" gilt. Nördlich von Homs intensivierte die Armee ihre Bombardements der Rebellenhochburgen Rastan und Talbisseh.

Die Revolte gegen Assad begann im März 2011. Nach jüngsten Angaben der oppositionsnahen Beobachtungsstelle wurden seither bereits mehr als 100.000 Menschen getötet.

Internationale Bemühungen um eine Beendigung des Bürgerkriegs kommen nicht voran. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte unterdessen in Berlin Verständnis für Waffenlieferungen an die syrische Opposition, bekräftige aber ihre Ablehnung deutscher Rüstungslieferungen. Merkel zeigte im Bundestag Verständnis für Überlegungen von Ländern wie Frankreich und Großbritannien, syrische Rebellen mit Waffenlieferungen zu unterstützen. "Verständnis für den Wunsch, dem Treiben des Assad-Regimes endlich ein Ende zu bereiten, hat wohl jeder, jedenfalls jeder, der ein Herz hat", sagte Merkel. Das deutsche Nein begründete sie vor allem mit dem gesetzlichen Verbot von Waffenlieferungen in Bürgerkriegsgebiete.

Das mit Assad verbündete Russland warf unterdessen Saudi-Arabien vor, in Syrien "Terroristen und die extremistischen Gruppen zu finanzieren und bewaffnen". Riad und andere beteiligte Staaten müssten diese Aktivitäten unbedingt einstellen, erklärte das Außenministerium in Moskau. Die saudische Regierung hatte Russland, einem der letzten Unterstützer Assads, zuvor vorgeworfen, sich am "Genozid am syrischen Volk" mit Waffenlieferungen an die Staatsführung zu beteiligen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) prangerte "unglaubliche Gewalt und unglaubliches Leiden und ungemeine Verletzungen internationalen humanitären Rechts durch alle Konfliktparteien in Syrien" an. Es gebe "eine riesige Diskrepanz" zwischen den Möglichkeiten zur Hilfe für die Bürgerkriegsopfer und der "eskalierenden Geschwindigkeit, in der der Bedarf in Syrien wächst", sagte IKRK-Chef Peter Maurer in Genf bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Organisation. Mit voraussichtlich 82,2 Millionen Euro heuer mache Syrien mittlerweile den größten Posten bei den IKRK-Hilfseinsätzen aus.

Zwei syrische Diplomaten haben unterdessen ihre Posten aus Protest gegen die Politik des Assad-Regimes verlassen und sich nach Berlin abgesetzt. Nach Angaben aus Oppositionskreisen handelt es sich dabei um Lama Iskander, die früher am Konsulat in Dubai beschäftigt war und zuletzt in Damaskus im Außenministerium arbeitete, sowie um Haitham Hmeidan, den Konsul Syriens in Havanna. Heimdan ist Druse. Iskander gehört wie Assad zur Minderheit der Alawiten. Das Assad-Regime hat tendenziell mehr Rückhalt bei den Angehörigen der Minderheiten. Die Mehrheit der Sunniten bildet das Rückgrat des bereits seit 2011 andauernden Aufstandes. (APA, 28.6.2013)

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