Papst räumt bei Vatikanbank auf

27. Juni 2013, 19:48
6 Postings

Sonderkommission soll Licht in Transaktionen bringen

Eine von Papst Franziskus zu Wochenmitte eingesetzte Sonderkommission soll künftig die wenig transparenten Machenschaften der Vatikanbank IOR (Istituto per le opere religiose) kontrollieren und damit mehr Transparenz garantieren. Es handle sich dabei nicht weniger als um den Beginn einer Revolution der Vatikanfinanzen, heißt es in der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera.

Der fünfköpfigen Kommission steht der Salesianer Kardinal Raffaele Farina vor. Als ehemaliger Direktor des Vatikanarchivs und der apostolischen Bibliothek ist er bestens mit den Angelegenheiten des Kirchenstaates und dessen Finanzen vertraut. Er wird von der Harvard-Professorin, der Juristin Mary Ann Glendon, flankiert, die als ehemalige US-Botschafterin im Kirchenstaat bestens über IOR Bescheid weiß. Denn immer noch ist eine Vielzahl der insgesamt 19.000 Kontoinhaber anonym und die Offshore-Transaktionen werden weiterhin fortgesetzt. Unter anderen soll auch Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi Geheimkonten beim IOR halten. Dies berichten italienische Medien.

Der Kommission gehört auch der französische Kardinal Pierre Tauran an. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker des IOR und hat im Vorjahr gegen die unerwartete Kündigung des Ex-Präsidenten Ettore Gotti Tedeschi protestiert. Der Amerikaner Monsignor Peter Bryan Wells und der Spanier Ignacio Arreza von Opus Dei ergänzen die Kommission. Diese soll den Papst über die Machenschaften der Bank aufklären. Papst Franziskus will über die Vatikanbank Bescheid wissen, bevor er die Reform der Kurie angeht.

IOR hat im Vorjahr laut Äußerungen von Vatikankennern einen Nettogewinn von 86,6 Mio. Euro erzielt und eine Bilanzsumme von 7,1 Mrd. Euro ausgewiesen. Derzeit beschäftigt das Istituto per le opere religiose, das Institut, das kein Bankstatut hat, 114 Mitarbeiter und unterstützt die Vatikan-Bilanz mit 50 Millionen Euro.

Nachdem der Papst vor wenigen Wochen einen Vertrauensmann, den 57-jährigen Prälaten Battista Ricca als Mittelsmann zwischen den laizistischen Verwaltungsrat und dem Kardinalsgremium ernannt hat, soll nun die Sonderkommission Licht in die bisher undurchschaubaren Transaktionen der Bank bringen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand /DER STANDARD, 28.6.2013)

Share if you care.