Garstiges Garteln

Kolumne3. Juli 2013, 17:02
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Risikogruppe Hobbygärtner: Ein grüner Daumen im Handrasenmäher, der zweite gerötet von Pflanzengift - das muss nicht sein

Von wegen Erholung. Hochgefährlich ist das Fuhren und Werken im Garten. Überall lauern Gefahren, ständig muss man auf der Hut sein. Dräuend die Bedrohungen, permanent das Risiko und omnipräsent die Möglichkeiten zu leiden.

Stehen zum Beispiel im Winter die Bambusstaberln, moosgrünen Plastikstäbe und gedrehten Metallstützen einfach nur im Weg, werden sie jetzt zur echten Bedrohung: In ihrer Funktion als Stütze wider den Wind, gegen spontanen Bruch und gut im Grün der hohen Beete integriert, sind sie nun eine stechende Gefahr für das Augenlicht. Das funktioniert so: Man möchte bodennah ein wenig in den Beeten herummanipulieren, beugt sich dazu herab und übersieht ein im Beet steckendes Bambusstaberl. Mit ein wenig Pech steckt dieses dann im Auge.

Im Fachjargon spricht man auch von jeher vom British Cyclops, da die meisten einäugigen Gärtner und Gartlerinnen im United Kingdom of Great Britain and Ulster gesichtet wurden. Bedachte mitteleuropäische Gartler und Gärtnerinnen erkennt man dagegen daran, dass sie beim Garteln Schutzbrillen tragen. Wem das zu wenig naturnahe ist, der kann sein Augenlicht auch dadurch schützen, dass er die Enden der Stützstäbe mit Sektkorken versieht. Man kann aber auch gerne zu Weinkorken greifen.

Fett wie die russische Erde

Nur zu diesem Zweck gibt es die jährlichen Weinfeste - etwa jenes in Gersthof: Damit man auch genug Korken zur Verfügung hat, treffen einander die Gartlerinnen und Gärtner der näheren Umgebung zu einem Jamboree, im Zuge dessen sie Flasche um Flasche leeren. Fett wie die russische Erde, aber mit einem Körberl voll Korken kehren sie dann glücklich in ihre Gärten zurück - Gersthof, cyclopenfrei!

Eine weitere Gefahr geht von manchen Pflanzen aus. So führen unter anderen Ruta graveolens, die Weinraute, und Dictamnus albus, der Diptam oder Aschwurz, sogenannte Furanocumarine in ihren drüsigen Borsten. Kommt man mit diesen Stoffen der Pflanze in Kontakt, können gar garstige Verbrennungen die Folge sein, wenn Sonnenlicht just in diesem Moment auf die Haut fällt. Und das soll ja im Garten schon einmal vorkommen.

Erst brennt die Haut nur ein wenig - man ignoriert das. Dann rötet sie sich, brennt stärker, und ehe man es sich versieht, entstehen drall gefüllte Blasen - gerade so, als ob man auf ein heißes Bügeleisen gegriffen hätte. Tagelanges Safteln und Schmerzen sind die Folge, einmal abgesehen von der oft bleibenden Pigmentänderung der Haut.

Hantieren mit Schnittgeräten

Zu den gefährlichen Gartenmomenten gehört auch das Hantieren mit Schnittgeräten. Gerade die kleinen Handrasenschneider, die sich für das Kantenmähen so schön anbieten, haben es in sich. Möchte man fehlgeleitetes Gras zum Beispiel unter dem Lavendel oder an der Grenze zum Basilikum entfernen, so drückt die eine Hand vorsichtig die zu schützenden Pflanzen zur Seite, und die andere Hand führt die elektrischen Klingen vorsichtig durchs Gras. Stößt man dabei auf ein Ästchen oder auf einen Fingerknochen, dann stockt das Gerät und stellt seine Tätigkeit ein. Laut ISO-Norm 4711 muss das Gerät so eingestellt sein, dass es selbst beim kleinen Finger von Kleinkindern stoppt. Da haben sie aber Glück gehabt, die Kleinen.

An Schmerzen kann man sich gewöhnen, an einen unordentlichen Garten nicht. Letztendlich erkennt man den Profi unter den Gartlern und Gärtnerinnen also an der Ausstattung des Erste-Hilfe-Koffers. Denn vor dem eigenen Garten muss man stets auf der Hut sein! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 28.6.2013)

  • Schutzbrille, Handschuhe und Weinkorken gehören in jeden Geräteschuppen, Desinfektionsspray, Sprühpflaster und Mullbinden in jeden Erste-Hilfe-Koffer.
    foto: apa/armin weigel

    Schutzbrille, Handschuhe und Weinkorken gehören in jeden Geräteschuppen, Desinfektionsspray, Sprühpflaster und Mullbinden in jeden Erste-Hilfe-Koffer.

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