Familien-Soap in der Toskana

3. Juli 2013, 10:31
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Die Antinoris - eine Familie außergewöhnlicher Winzer

Antinori ist uralter toskanischer Weinadel (wie übrigens auch die Ricasolis und Frescobaldis). Egal, wohin Trend und Diskussion um den "wahren" toskanischen Wein gehen - in den 1980ern und 1990ern war es Internationalisierung, heute die Stärkung lokaler Sorten und Traditionen - Antinori ist dabei.

Die Weingeschichte der Patrizierfamilie beginnt offiziell 1385, als Giovanni di Piero Antinori in die Zunft der Winzer und Weinhändler eintritt. In den 1930ern begann Antinori, mit französischen Rebsorten zu experimentieren. Die Idee dahinter gilt bis heute: Um der zuweilen spröden Chianti-Rebe Sangiovese stilistisch auf die Sprünge zu helfen, bedarf es internationaler Sorten.

Prototyp eines "Supertuscan"

Die Antinoris schufen mit Tignanello Jahrgang 1971 nicht nur den Prototyp eines "Supertuscan", sondern eröffneten mit Sassicaia auch den Run auf die Maremma an der Mittelmeerküste in den 1990ern. Während der Hype um die Supertuscans vorbei ist, fließen in den gelsenverseuchten Küstenstreifen noch immer viele Weininvestitionen, auch solche der Antinoris.

Familienoberhaupt ist Marchese Piero Antinori, der das multinationale Weinunternehmen mit seinen Töchtern Albiera, Allegra und Alessia führt (Jahresumsatz 150 Millionen Euro). Eine zweite Antinori-Linie gründete Lodovico, Pieros schillernder Bruder, in den 1980ern. Wirtschaftlich gibt es Verflechtungen, önologisch agiert Lodovico unabhängig. Lodovicos Erstlingswerk Ornellaia gehört heute nach dramatischen Verkäufen und Übernahmen Frescobaldi - dem Rivalen der Antinoris. Masseto, reinsortiger Merlot aus einem Weinberg nahe Bolgheri (Maremma), gilt als Pétrus-Pendant und wurde zum gesuchten Spekulationsobjekt.

Antinori-Weine findet man in Supermärkten zu Preisen unter zehn Euro sowie als Top-Premium-Wein in Vinotheken und in der Spitzengastronomie. (ls, Rondo, DER STANDARD, 28.6.2013)

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