Feilschen um Alpine-Filets hat begonnen

27. Juni 2013, 18:52
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Drei mittelständische Baufirmen bekamen vorerst das Okay für Verhandlungen über regionale Übernahmen

Wien - Der Masseverwalter der Alpine hat am Donnerstag Nachmittag grünes Licht für Verhandlungen über regionale Auffanglösungen bei der Alpine mit der oberösterreichischen Habau, der ebenfalls oberösterreichischen Swietelsky und dem Salzburger Bauunternehmen Hinteregger gegeben. Die Kreditschützer erwarten, dass an den Baustellen im Laufe der nächsten Woche wieder gearbeitet werden kann.

Die drei heimischen Mittelständler versprechen mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg alle Mitarbeiter (1800 von insgesamt österreichweit 4900) und Maschinen zu übernehmen. Über Aktivitäten in weiteren Bundesländern werde verhandelt, "und auch da erwarten wir kurzfristig weitere Informationen", sagte KSV-Chef Hans-Georg Kantner.

Porr-Chef Karl-Heinz Strauss sagte zum Standard, er sei an den Baustellen nie interessiert gewesen, zumal die Porr in Österreich bereits flächendeckend vertreten sei. Allerdings habe man in den vergangenen Tagen gute Baustellen-Teams samt Mitarbeitern von der Alpine gewonnen. "Bei den Beteiligungen der Alpine, die derzeit ausgeschrieben sind, wird die Porr ganz gezielt mitbieten", so Strauss. Konkret will der Baukonzern beispielsweise die Alpine Bemo Tunnelling GmbH mit 247 Mitarbeitern sowie Mischanlagen, Betonwerke und Schotterwerke übernehmen. Die Porr sei "sogar soweit gegangen, die eine oder andere Beteiligung mit Liquidität auszustatten, damit die Mitarbeiter diese Woche ihr Gehalt bekommen und die Lieferanten bezahlt werden können". Aktuell sind fünf Alpine-Töchter zum Verkauf ausgeschrieben; auch die Strabag hat Interesse, etwa an Hazet und Universale.

Ausgestanden ist die Sache freilich noch lange nicht: Die privaten Bauherren müssen zustimmen, dass Swietelsky & Co die jeweilige Baustelle übernehmen kann. Die Auftraggeber können freilich auch einer anderen Baufirma ihrer Wahl den Zuschlag geben. Das geschah bereits in einigen Fällen.

Dazu kommt: Die Alpine hat österreichweit sechs Asphaltmischanlagen - ein Asset in der Baubranche. Diese gehen nicht automatisch ins Eigentum der drei Mittelständler. Die Anlagen sind in einzelnen Gesellschaften gebündelt. Bei jenen, die nicht im Alleinbesitz der Alpine stehen, haben die Partner Aufgriffsrechte. Wo die Alpine alleinige Eigentümerin der Mischanlagen ist, wird der Masseverwalter ausschreiben müssen. Andernfalls (die Strabag drohte bereits damit) wird die Konkurrenz klagen.

Großbaustellen

Am Mittwoch spätabends ist der Masseverwalter aus allen Arbeitsgemeinschaften (Arge) zurückgetreten. Argen mit anderen Baufirmen werden bei Großbaustellen gebildet. Beim Hauptbahnhof in Wien etwa werden die anderen Partner die Anteile übernehmen. Auch die öffentlichen Aufträge in den Bundesländern gehen nicht automatisch an die drei regionalen Baufirmen. Zur Wahl steht der Zuschlag an den zweiten Bestbieter oder eine Neuausschreibung.

Schlechte Nachrichten gibt es für Anleger: Erwartungsgemäß ist am Donnerstag nach der Alpine Bau auch die Alpine Holding in Konkurs gegangen. Das bedeutet, dass die privaten Anleihezeichner der insgesamt drei Anleihen (die letzte wurde erst im Vorjahr begeben) im Volumen von 290 Mio. Euro um ihr Geld umfallen.

Die Alpine, die zum spanischen Infrastrukturkonzern FCC gehört, legte vor wenigen Tagen die größte Pleite der heimischen Nachkriegsgeschichte hin. Haftungen und Schulden, so stellte sich heraus, sind weitaus größer als bisher angenommen. Die ursprünglich angemeldeten Passiva von 2,6 Mrd. Euro dürften mit Gewährleistungsforderungen auf über drei Milliarden steigen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 28.6.2013)

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