Immofinanz: Petrikovics zeigt Gutachter an

27. Juni 2013, 18:23
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Die Mode des Sachverständigen-Anzeigens hört nicht auf: Gerhard Altenberger soll falsch ausgesagt haben

Wien - Schlechte Nachrichten gibt es für den Wirtschaftsprüfer und vielbeschäftigten Gerichtssachverständigen Gerhard Altenberger. Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics - im April in der ersten Tranche der Causa Immofinanz wegen Untreue zu sechs Jahren Haft verurteilt - hat den Gutachter bei der Justiz angezeigt. In der 26-seitigen Sachverhaltsdarstellung an die Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft ihm Petrikovics' Anwalt, Otto Dietrich, falsche Zeugenaussage vor.

Hilfe von Staribacher

Zur Einordnung: Altenberger wurde vom Staatsanwalt in der Causa Immofinanz/Constantia als Sachverständiger beauftragt. Die riesig dimensionierte Causa rund um den Fast-Zusammenbruch von Immofinanz, Immoeast und Constantia Privatbank wurde in Einzelteile zerlegt; Anfang 2013 hat die erste Hauptverhandlung begonnen. Es ging um Geschäfte mit Aktienoptionen, die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Um die komplexen Zahlungsflüsse auseinander zu klamüsern, hat der Wirtschaftsprüfer im Auftrag des Staatsanwalts eine Art Sub-Gutachten zu diesem Themenkreis erstellt. In der Verhandlung wurde er dazu von Richterin Claudia Moravec-Loidolt befragt. An diesem Punkt setzt Petrikovics in seiner Strafanzeige an. Auch er bedient sich ja eines Sachverständigen, des Wirtschaftsprüfers und ehemaligen Kurzzeit-Finanzministers Andreas Staribacher.

Falsch diagnostizierte Überschuldung?

Und der will in Altenbergers Gutachten bzw. seinen (unter Eid getätigten) Aussagen vor Gericht drei Themenkreise gefunden haben, an denen eine Falschaussage festgemacht werden könne. Zum Beispiel geht es um die Beurteilung Altenbergers, dass eine der involvierten Gesellschaften überschuldet gewesen sei. Laut Petrikovics' Beratern stimme das aber nicht - und das lasse sich anhand von Unterlagen, die Altenberger im Akt gehabt, aber erst auf Druck vorgelegt habe, nachweisen. "Altenberger hätte das aus seiner fachlichen Kenntnis heraus bekannt sein müssen", heißt es in der Anzeige. Und: Er hätte die Sachlage in der Hauptverhandlung anders darstellen müssen.

All das zielt auf ein hochaktuelles Thema in der Justiz: auf die Frage, ob vom Staatsanwalt beauftragte Gutachter in der Hauptverhandlung wie alle anderen Zeugen behandelt werden können; oder doch als einschlägige " Zeugen der Anklage".

Altenberger selbst kennt die Anzeige nicht, wie er dem Standard sagt. Es gilt die Unschuldsvermutung. (gra, DER STANDARD, 28.6.2013)

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    Ex-Immochef Karl Petrikovics teilt wieder aus.

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