Start ins Jubiläum auf der radfreien Insel

27. Juni 2013, 18:10
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Die Tour de France hebt eher zum Ungemach der Einheimischen auf Korsika an. Die 100. Auflage hat in Chris Froome einen klaren Favoriten. Der Brite hat keine Hemmungen, seine Sauberkeit zu garantieren

Ajacco/Wien - Die Tour de France auf Korsika ist nahezu ebenso absurd, wie es eine Rallye auf der autofreien Kanalinsel Herm wäre. Das Radfahren ist wegen privater Übermotorisierung (die fehlenden öffentlichen Verkehrsmitteln geschuldet ist) bei gleichzeitig mangelhafter Straßeninfrastruktur im Alltag schlicht lebensgefährlich. Korsika ist weitgehend radfrei, nur eben nicht gegenwärtig, weil am Samstag die 100. Tour de France auf der französischen Mittelmeerinsel anhebt.

Erstmals in seiner 110-jährigen Geschichte, dafür aber gleich für drei Tage gastiert das größte Radsportereignis auf Korsika, dessen Touristiker heftig darum bemüht sind, das als ganz große Auszeichnung zu verkaufen. Schließlich begann deren Buhlen um die Teilnahme an der Jubiläumstour bereits vor drei Jahren. Rund 3,5 Millionen Euro soll der Zuschlag gekostet haben - exklusive der Investitionen in Straßen oder der Aufwendungen für den Tross, der zeitweilig sogar von See her versorgt werden soll. Die Korsen stellen sich auf das Schlimmste ein - auf drei Tage ohne Auto.

Fernsehzuseher dürfen sich dagegen auf spektakuläre Bilder einstellen. Weniger während der ersten, 213 Kilometer langen Flachetappe zwischen Porto-Vecchio fast am Südzipfel und der nördlichen Metropole Bastia. Dafür umso mehr während der zweiten Etappe (156 km) mit der Kletterei über Col de Vizzavona (1163 m) zwischen Bastia und der Hauptstadt Ajacco. Und schließlich während des Ritts von der Geburtsstadt Napoleons aus der Westküste entlang nach Calvi.

Diese 145,5 Kilometer unübersichtlichen Kurvengeschlängels, bergauf und bergab, sind der Albtraum jener, die ein Feld von mehr als 190 Radfahrern zu kontrollieren haben - der Favoriten. Allen voran sollte diese Rolle während der gesamten Tour, die 3404 Kilometer lang ist und mit vier Bergankünften protzt, dem 28-jährigen Briten Christopher Froome zukommen. Froome, in Kenia geboren und in Südafrika aufgewachsen, wirkte schon im vergangenen Jahr in den Anstiegen stärker als sein damaliger Kapitän Bradley Wiggins. Nach der verletzungsbedingten Absage des Vorjahressiegers hat er freie Fahrt und das beste Team an seiner Seite.

Froomes vierter Saisontriumph nach jenen beim Critérium International sowie bei der Tour de Romandie und beim Critérium du Dauphiné hat für Sky oberste Priorität, weshalb auch der steirische Sprinter Bernhard Eisel keine Aufnahme ins neunköpfige Touraufgebot der Briten fand.

Froomes Konkurrenz ist zumindest namhaft. Der Spanier Alberto Contador (Saxo) kehrt nach seiner Dopingsperre, der Luxemburger Andy Schleck (Radio Shack) nach einer Verletzungspause zurück. Der Australier Cadel Evans (BMC), Sieger von 2011, muss in erster Linie trachten, nicht von seinem US-Teamkollegen Tejay van Garderen überflügelt zu werden.

Schließlich muss die Tour aufpassen, nicht in die nächste Doping-Grube zu stürzen. Froome, sagt Froome, sei diesbezüglich unbedenklich: "Ich weiß, dass meine Ergebnisse in sechs, sieben Jahren nicht aberkannt werden." (Sigi Lützow, DER STANDARD, 28.6.2013)

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    Chris Froome ordnete sich im Vorjahr noch Bradley Wiggings unter. Heuer ist der Brite bereit für seinen eigenen Triumph.

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