Edith Windsor: Die Frau, die die Homo-Diskriminierung zu Fall brachte

27. Juni 2013, 19:29
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83-Jährige klagte, weil sie als lesbische Witwe mehr als 300.000 Dollar Steuern zahlen sollte

"Ich will auf der Stelle ins Stonewall", war das Erste, was Edith Windsor sagte, nachdem sie in allen Punkten gewonnen hatte vorm Obersten Gericht. Gemeint ist das Stonewall Inn, eine Bar an der Christopher Street in Manhattan, eine Art Schrein für Schwule und Lesben, seit dort homosexuelle Paare 1969 bei einer Razzia erstmals Widerstand leisteten.

Edith Windsor hat Geschichte geschrieben. Sie hat "Doma" zu Fall gebracht, den Defense of Marriage Act, der den Passus enthielt, dass eine Ehe eine Sache zwischen Mann und Frau ist, nichts anderes. Mit 5:4-Mehrheit kippte der Supreme Court das 1996 verabschiedete Gesetz.

Doma, urteilte Richter Anthony Kennedy, stemple gleichgeschlechtliche Lebensbeziehungen zu Partnerschaften zweiten Ranges ab, das sei verfassungswidrig. Fortan profitieren auch Homo-Paare beim Steuerzahlen vom Ehegatten-Splitting. Allerdings nicht in den 38 Bundesstaaten, die ihnen das Heiraten noch immer verbieten.

Ein Triumph für Edith Windsor? In New York sprach die 83-Jährige auffallend bescheiden vom Zufall der Geschichte, der sie zur Heldin machte, zur Ikone unter der Regenbogenflagge, zu etwas, was sie nie sein wollte. "Ich war verzweifelt, weil in den Augen der Regierung die Frau, die ich liebte, nicht meine Gattin war."

1963 verliebte sich Windsor in Thea Clara Spyer. Spyer flog vom College, verpfiffen von einem Wachmann, der beobachtet hatte, wie sie eine Frau küsste. Windsor hatte Angst, ihren Job zu verlieren, als sie für die Atomenergie-Kommission Programme schrieb: Nach einer Direktive des Weißen Hauses durften Arbeitgeber, die Staatsaufträge bekamen, keine Homosexuellen beschäftigen.

1977 erkrankte Spyer an multipler Sklerose, 2007 heirateten die beiden in Kanada. Bevor Spyer starb, vermachte sie Windsor ihre Anteile am gemeinsamen Besitz. Und dann flatterte der Witwe ein Brief vom Finanzamt ins Haus: 363.053 Dollar Erbschaftssteuer sollte sie berappen; wäre sie dagegen mit einem Mann verheiratet gewesen, hätte sie keinen Cent zahlen müssen.

"Das tat nicht nur weh, es war auch falsch", blendet Edith Windsor zurück auf den Beginn ihres Weges durch die Instanzen. "Also beschloss ich, zu klagen und mein Geld zurückzukriegen." (Frank  Herrmann, DER STANDARD, 28.6.2013)

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    Edith Windsor schrieb Geschichte.

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