Große regionale Unterschiede bei Wohnbaukosten

    27. Juni 2013, 17:57
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    In Salzburg wird um 2.250, in Oberösterreich um 1.500 Euro je Quadratmeter gebaut, wie eine aktuelle Analyse zeigt

    Im Schnitt kostet die Errichtung einer Wohnung in Österreich 1.890 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche, das zeigt eine gemeinsame Erhebung von "Bau!Massiv!", einem Zusammenschluss von Herstellern mineralisch gebundener Baustoffe, und dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW). Demnach stiegen die Baukosten für eine geförderte Geschoßwohnung seit 2007 pro Jahr um 1,8 Prozent an. 2011 kostete die Errichtung einer geförderten Wohnung im Schnitt 150.000 Euro, eines geförderten Eigenheims 260.000 Euro.

    West-Ost-Gefälle evident

    Allerdings zeigt sich dabei ein deutliches West-Ost-Gefälle. In Westösterreich sind die Preise laut Studie deutlich höher, die Differenz beläuft sich auf bis zu 50 Prozent: In Salzburg betragen die Baukosten 2.250 Euro je Quadratmeter, in Oberösterreich hingegen nur 1.500 Euro.

    Für IIBW-Chef Wolfgang Amann dokumentiert die Erhebung die Relevanz der "Economies of Scale": Weil größere Projekte in der Regel günstigere Quadratmeter-Kosten bedeuten, erreicht Wien trotz höchster Standards Baukosten von nur 1.610 Euro je Quadratmeter – der zweitniedrigste Wert nach Oberösterreich.

    Integrierte Projektentwicklung wichtig

    Die Datenberechnungen erfolgten zwar je Bundesland unterschiedlich, für Andreas Pfeiler, den Geschäftsführer des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie in der Wirtschaftskammer, lassen sich daraus dennoch ein paar wichtige Trends herauslesen. Ein zentraler Faktor sind für ihn etwa die unterschiedlichen Regelungsrahmen in rechtlicher und technischer Hinsicht. "Verschiedene thermische Standards schlagen sich ebenso wie Auflagen für Stellplätze und Barrierefreiheit auf der Ausgabenseite nieder." Ein Passivhaus verursache zudem Mehrkosten von rund 150 Euro je Quadratmeter im Vergleich zu einem Niedrigenergiehaus – "beide erfüllen jedoch die 2020-Ziele der EU-Gebäuderichtlinie", gibt Pfeiler zu bedenken.

    Auch wegen der höheren Folgekosten durch die Wartung ist der Passivhaus-Standard für Pfeiler "nicht immer die sinnvollste Lösung", zumal die OIB-Richtlinie 6 nun auch eine Wahlmöglichkeit gebe: "Die Mindesteffizienzanforderungen können sowohl über den Heizwärmebedarf als auch über den Faktor Gesamtenergieeffizienz erreicht werden", so Pfeiler, der außerdem auf den kostenrelevanten Faktor einer integrierten Projektentwicklung hinweist. Denn wenn ab dem frühesten Planungsstadium Architektur, Haustechnik und Statik aufeinander abgestimmt werden, können zu einem großen Teil die späteren laufenden Kosten beeinflusst werden. (red, derStandard.at, 27.6.2013)

    • In Oberösterreich wird am kostengünstigsten gebaut, sagt eine aktuelle Studie. (Bild: Baustelle "Lange Allee" in Linz im vergangenen November)
      foto: derstandard.at/putschögl

      In Oberösterreich wird am kostengünstigsten gebaut, sagt eine aktuelle Studie. (Bild: Baustelle "Lange Allee" in Linz im vergangenen November)

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