Kindesmisshandlung in Eisenstadt: 39 Brüche in sechs Wochen

27. Juni 2013, 17:48
37 Postings

Eltern leugnen, Kindesmisshandlungsprozess vertagt

Eisenstadt - Am zweiten Tag des Baby-Misshandlungs-Prozesses rückte der Fokus des Eisenstädter Schöffensenats von der Täter- zur Tat- und damit Opferseite. Hinreichend klar gemacht schien dem Gericht die traurige Beziehungsgeschichte der 23-jährigen Mutter und des 25-jährigen Vaters, die, schwerst in ihrer jeweiligen Persönlichkeit und damit insgesamt ihrer Beziehung gestört, zwei Kinder in die Welt gesetzt haben.

Der Sohn hatte quasi Glück. Vernachlässigt ja, aber körperlich unversehrt. Die Tochter hatte dieses Glück nicht, wie eine Gerichtsmedizinerin in fast unerträglicher Exaktheit darlegte. Im Grazer Spital, wohin das Mädchen mit nicht einmal zwei Monaten gebracht wurde, hat man insgesamt 39 Knochenbrüche festgestellt.

Diese konnten sogar halbwegs datiert werden: Rippen, beide Unterarme, das rechte Schulterblatt, der rechte Oberschenkel, ein Schlüsselbein, beide Unterschenkel und schließlich - ein Berstungsbruch - der Schädel.

Sechs Wochen lang gequält

Sechs Wochen dauerte die Qual des Babys. Besondere Gewaltintention war dabei mit im Spiel, denn Babyknochen brechen nicht so leicht. Gerade Rippen (25 der 39 Brüche) nicht, wie der Kinderarzt ausführte. Die seien ja noch eher Knorpel. Der gutachtende Kinder- und Jugendneuropsychiater geht von einer hohen Wahrscheinlichkeit für "Spät- und Dauerfolgen" für das mittlerweile fast einjährige Mädchen aus, das die Welt als Abfolge von Schmerzen kennenlernte.

Wegen neuer Beweisanträge der Verteidigung der Mutter - sie und der Vater leugnen ja vehement die aktenkundigen Taten - wurde der Prozess vertagt. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 28.6.2013)

Share if you care.