Die Langfinger vom Louvre

28. Juni 2013, 05:30
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Taschendiebe sind in Paris zu einer wahren Plage geworden - vor allem für Touristen. Jetzt machen die Behörden mobil gegen die meist jugendlichen Banden und erzielen erste Erfolge

Wie vor einem Popstar drängelt sich die Menschenmenge, die Handys und Tablets zum Fotografieren in die Höhe gereckt. Doch Mona Lisa, unbeeindruckt von dem Andrang, lächelt ihr rätselhaftes Lächeln im Louvre-Museum. Sie ist hinter dem fünf Zentimeter dicken Panzerglas schließlich in Sicherheit. Ihre Fans weniger: 120 Trickdiebstähle pro Monat registrierte das größte Museum der Welt im Frühjahr.

Dann wurde es dem Louvre-Personal zu bunt: Einen ganzen Apriltag lang streikten die Wächter, um gegen die aufsässigen Banden meist minderjähriger "pickpockets" zu protestieren. Pariser Wirte und Hoteliers schimpften über den Imageverlust; der konservative Stadtabgeordnete Pierre Lellouche betitelte Rumänien und Bulgarien als "Schurkenstaaten", die nichts gegen den Kriminalexport unternehmen würden.

Polizei patrouilliert in "extrem heiklen Zonen"

Zumindest die Behörden handelten, um den Ruf der französischen Hauptstadt bei den fast 30 Millionen Besuchern im Jahr zu retten. Sie erklärte die wichtigsten Touristenattraktionen, darunter auch Champs- Élysées und Opéra, zudem Kaufhäuser und Luxushotels zu "extrem heiklen Zonen" (ZES). Dort patrouillieren nun 200 Polizisten in Uniform und zivil. Im Eiffelturm fahren bewaffnete Uniformierte heute sogar mit dem Lift hoch, in dessen Gedränge die Langfinger besonders aktiv waren.

Im Mai feierte die Pariser Justiz einen ersten Fahndungserfolg: Der Bosnier Fahim Hamidovic, Kopf eines ganzen Pickpocket-Netzwerks, das Dutzende von Mädchen aus Osteuropa zum Stehlen gezwungen hatte, wurde in Paris zu sieben Jahr Haft verurteilt.

Broschüre wird am Flughafen verteilt

An den Pariser Flughäfen erhalten Einreisende eine Broschüre namens "Paris in völliger Sicherheit" mit folgenden Ratschlägen: keine Rucksäcke, keine Brieftasche in der Gesäßtasche und so wenig Bargeld wie möglich bei sich tragen; nichts auf den Boden stellen, bei Entreißdiebstählen keinen unnötigen Widerstand leisten und keine Petitionen unterschreiben.

Warnung in neun Sprachen

Im Louvre wird die Mona Lisa nun flankiert von zwei großen Tafeln, die in neun Sprachen deklamiert: "Achtung vor Taschendieben!" Seither sind die Diebstähle im Museum um 25 Prozent zurückgegangen. Auch vor dem Museumseingang sind die kleinen Diebe verschwunden. Die Patrouillen sind diskret: "Der Scheintourist mit Sonnenbrille und Fotokamera dort drüben - das ist ein Flic", lacht ein Polizist in Zivil neben der Louvre- Pyramide.

Im benachbarten Tuilerienpark erzählt ein Wachmann freimütig, dass er heute Morgen eine Asiatin aus den Klauen zweier Pickpockets gerettet habe; sie hätten sich mit Mänteln über dem Arm herangemacht, um darunter in die Taschen des Opfers zu greifen. Seit der Verurteilung des Hamidovic-Clans habe sich die Lage bedeutend gebessert, meint der Security.

Durchsagen auch in der Metro

Immerhin warnt in der U-Bahn eine Livedurchsage auf Französisch: "Es scheint, dass im hinteren Teil junge Taschendiebe eingestiegen sind. Achten Sie auf Ihr Gepäck." In dem durchgehenden Metro-Zug der Linie eins entsteht Bewegung, bei der Station Concorde steigen ein paar Mädchen aus, ohne davonzurennen. Und eine chinesische Familie wundert sich, dass ihnen alle Fahrgäste nachschauen. (Stefan Brändle, DER STANDARD, 28.6.2013)

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    Mindestens vier dokumentierte Taschendiebstähle pro Tag, und das nur in einem einzigen Museum - im Frühjahr wurde es dem Personal im Louvre zu bunt, und es streikte gegen das immer dreister werdende Vorgehen der Langfinger.

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