Athener streiten über geplanten Moschee-Bau

Ansichtssache27. Juni 2013, 14:24
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Pläne der Regierung, auf dem Gelände eines aufgelassenen Marinestützpunkts in der Athener Vorstadt Votanikos eine Moschee zu errichten, haben in Griechenland zu Protesten geführt. Anhänger der rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte", Männer in Tarnhemden und orthodoxe Nonnen demonstrieren seit Ende Mai in der Nähe des Bauplatzes.

Die "Goldene Morgenröte" würde aktuellen Umfragen zufolge derzeit bei Parlamentswahlen den dritten Platz erreichen. Die Rechtsextremisten distanzieren sich zwar von tätlichen Angriffen auf improvisierte Gebetsräume, haben aber angekündigt, Griechenland "vom Gestank der Einwanderer befreien" zu wollen.

Bischof: "Ströme von Blut"

Der orthodoxe Bischof Seraphim, ein erbitterter Gegner des Projekts, hat angekündigt, den Fall vor das Höchstgericht bringen zu wollen. Der Kirchenmann sieht den Moscheebau als Teil eines Plans, Griechenland zu "islamisieren", und erinnerte in seiner Sonntagspredigt in Piräus daran, dass es erst vor 200 Jahren gelungen sei, das Land aus "vierhundertjähriger islamischer Sklaverei zu befreien, indem man Ströme voll Blut vergossen" habe.

Athen ist eine der wenigen europäischen Hauptstädte, die über keine offizielle Moschee verfügen. Das griechische Parlament beschloss erstmals im Jahr 1880 die Errichtung eines islamischen Sakralbaus, bis heute wurde aber keines dieser Projekte umgesetzt.

Erdogan würde Moschee finanzieren

Die Rechtsextremisten der "Goldenen Morgenröte" empören sich besonders über die projektierten Baukosten in Höhe einer Million Euro, die aus Steuergeldern aufgebracht werden sollen. Das Angebot des türkischen Premierminister Tayyip Erdogan, sein Land könne die Baukosten übernehmen, gilt als politisch nicht durchsetzbar.

In Griechenland leben eine Million Immigranten, 200.000 davon bekennnen sich Schätzungen muslimischer Organisationen zufolge zum Islam. Laut der Zeitung "Kathimereini" kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Gebetsräume, gegen die die Regierung kaum etwas unternimmt. (red, derStandard.at, 27.6.2013)

Der Bauplatz: ein aufgelassener Marinestützpunkt außerhalb Athens

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