Rennlabor: Audi und Toyota hybridisieren Le Mans

Reportage27. Juni 2013, 17:06
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Beim 24-Stunden-Rennen werden Antriebsmodelle von morgen getestet. Audi und Toyota setzen auf unterschiedliche Technik

In den hinteren Reihen wird ganz normal Rennen gefahren, da wird geraucht und gequalmt, da brüllen und schreien die Motoren. Benzinmotoren, ganz klassisch. Hochgezüchtete Porsches, Aston Martins, Corvettes, Ferraris, Vipers, ein paar Prototypen mit zugekauften, klassischen Benzinverbrennungsmotoren, Motoren von Toyota, Nissan oder Honda.

Vorne, in den ersten Reihen, wird nicht nur Rennen gefahren und um den Gesamtsieg gematcht, da wird auch Technologie transportiert. Da wird tatsächlich am Antrieb der Zukunft gearbeitet. Peugeot ist in Le Mans leider ausgestiegen, 2013 blieb die Schlacht um den Sieg beim 24-Stunden-Rennen Audi und Toyota vorbehalten.

Für 2014 hat Porsche sein Comeback in der Königsklasse angekündigt, mit ei­nem hoch komplizierten Rennwagen und Technologieträger, an dem bereits eifrig gebastelt wird.

Audi kombiniert

Audi setzt als einziger Hersteller auf einen Dieselmotor, den es mit einem Hybridantrieb kombiniert. Der Sechszylinder mit Turboaufladung leistet 490 PS und wirkt auf die Hinterachse. Die zurückgewonnene Energie wird übrigens an die Vorderräder abgegeben, eine besondere Form des Quattro-Antriebs.

Der Wagen erreicht auf der Rennstrecke Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 330 km/h, der Schnitt liegt bei 225 km/h – und das bei einem Verbrauch von 23 Litern pro 100 Kilometer. Zum Vergleich: Ein Formel-1-Auto benötigt zwischen 60 und 80 Liter für die gleiche Distanz.

Komplexe Regeln

Die Regeln in Le Mans sind sehr komplex: Hybrid-Sportwagen dürfen nur nach speziellen Vorschriften Energie zurückgewinnen. Um überhaupt als Hybrid­modell zugelassen zu werden, muss der Wagen eine Distanz von 400 Metern mit 60 km/h elektrisch zurücklegen können. Die gespeicherte Energie, die beim Bremsen zurückgewonnen wird, darf erst oberhalb von 120 km/h wieder genutzt werden: Das ist dann der Boost-Effekt.

Energie darf beim Bremsen an jeder Streckenstelle zurückgewonnen werden, sofern der Bremsvorgang mindestens eine Sekunde dauert und die Verzögerung mehr als ein g beträgt. In Le Mans ist das beim Anbremsen von zehn Kurven möglich. Der Tankinhalt ist in diesem Fall auf 58 Liter beschränkt.

Toyota treibt klassisch an

Bei Toyota entschied man sich für einen nicht aufgeladenen Benzinmotor, der ebenfalls mit einem elektrischen Antrieb kombiniert wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hybridsystemen wird die beim Bremsen zurückgewonnene elektrische Energie beim Toyota-Rennwagen nicht in Akkumulatoren gespeichert, sondern in leichteren Hochleistungskondensatoren.

Anders als bei Audi sind der Verbrennungs- und der Elektromotor in einer Einheit installiert und treiben nur die Hinterräder an. In diesem Fall darf laut Reglement die Zusatzleistung des Elek­tromotors uneingeschränkt genutzt werden. Gewonnen hat am vergangenen Wochenende übrigens Audi, das vierte Mal hintereinander, vor Toyota.

Für nächstes Jahr arbeitet der Veranstalter des 24-Stunden-Rennens in Le Mans an einem neuen Reglement, das im Wesentlichen eine Begrenzung der Energie, die pro Runde verbraucht werden darf, vorsieht.

Unbescheidenes Ziel

2014 wird mit Porsche ein weiterer Technologieträger in das prestigeträchtige Langstrecken­rennen einsteigen. Mit welchem Konzept Porsche in Le Mans an­treten wird, ließ der Sportwagenbauer noch offen, prinzipiell ist aber an den Einsatz der Hybridtechnologie gedacht. Das gar nicht bescheidene Ziel: auf Anhieb den Gesamtsieg einfahren. Immerhin hat Porsche bereits 16-mal in Le Mans gewonnen, da kann man nicht tiefstapeln. (Michael Völker, DER STANDARD, 28.6.2013)

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Der Autor war auf Einladung von Audi in Le Mans, hat sich den Champagner aber selbst bezahlt.

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    R18 e-Tron quattro nennen sich die zur Zeit Unbesiegbaren. Das Prinzip: Der Dieselmotor treibt die Hinterräder an, die beim Bremsen gewonnene Energie wirkt elektrisch auf die Vorderräder.

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