Ehe für alle: Jubel und Enttäuschung nach US-Urteilen

27. Juni 2013, 11:50
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Lesbische und schwule EhepartnerInnen werden künftig heterosexuellen Paaren gleichgestellt

Washington/San Francisco - Schwule und Lesben in allen Teilen der USA haben am Donnerstag das historische Urteil des Obersten Gerichts zur Stärkung der Homosexuellen-Rechte gefeiert. Vor allem in Kalifornien mit der Metropole San Francisco herrschte bis in den Abend hinein Jubel und Trubel auf vielen Straßen.

Mit Hupkonzerten, wehenden Regenbogenfahnen und Freudenschreien begannen die Feiern schon am frühen Morgen. Am Abend wurden Tausende BefürworterInnen der gleichgeschlechtlichen Ehe im Castroviertel erwartet. Konservative Kreise äußersten sich demgegenüber schwer enttäuscht über den Richterspruch.

Gemeinsame Steuererklärung möglich

Der Supreme Court hatte in einem bahnbrechenden Urteil entschieden, dass der Bund gleichgeschlechtlichen EhepartnerInnen dieselben Rechte einräumen müsse wie sie für traditionelle Ehen gelten. Das heißt beispielsweise, dass verheiratete Schwulen oder Lesben eine gemeinsame Steuererklärung einreichen können.

Zugleich gab das Gericht grünes Licht für Homosexuellen-Ehen in Kalifornien: Es beließ es bei der entsprechenden Entscheidung einer niedrigeren Instanz in dem Bundesstaat. Diese hatte einen Volksentscheid in Kalifornien, mit dem gleichgeschlechtliche Ehen vor gut vier Jahren verboten worden waren, für unrechtmäßig erklärt.

Derzeit dürfen Homosexuelle in zwölf der 50 US-Staaten sowie in der Hauptstadt Washington heiraten. 30 Staaten haben das dagegen ausdrücklich verboten.

Ansturm auf Standesämter erwartet

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wies die Behörden am Mittwoch an, Heiratslizenzen zu erteilen, sobald das Urteil in Kraft trete. Der Ansturm auf die Standesämter in dem Westküstenstaat wird in knapp vier Wochen erwartet. Im Rathaus von San Francisco waren zahlreiche gleichgeschlechtliche Paare in Brautkleidern und schwarzen Anzügen erschienen, allein um die Entscheidung des Obersten Gerichts zu feiern. Nach Schätzungen könnten sich in den nächsten drei Jahren 37 000 Same-Sex-Paare das Jawort geben.

US-Präsident Barack Obama hatte die Entscheidung für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben als Erfolg gewürdigt. "Der Supreme Court hat das Falsche ins Richtige verwandelt. Und unser Land ist dadurch besser dran", sagte er auf dem Flug zu einem Besuch in Afrika. "Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, egal wer sie sind und wen sie lieben, dann sind wir alle freier."

Auch Verteidigungsminister Chuck Hagel begrüßte das Urteil. Das Pentagon werde unverzüglich dafür sorgen, dass gleichgeschlechtliche EhepartnerInnen von Militärangehörigen dieselben Vorteile hätten wie Partner in traditionellen Ehen.

Enttäuschte Republikaner

Enttäuscht äußerte sich der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner. "Es wird weiter in der Öffentlichkeit eine kräftige Debatte über das Thema Ehe geben", sagte Boehner laut "Washington Post". "Und ich hoffe, dass Bundesstaaten die Ehen weiterhin als eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definieren werden."

Der republikanische Abgeordnete Tim Huelskamp beklagte, dass sich eine "radikale Mehrheit" im Supreme Court von persönlichen Ansichten habe leiten lassen. Er kündigte eine Gesetzesinitiative zum Schutz traditioneller Ehen an. (APA, 27.6.2013)

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    In San Francisco wurde das Urteil vielerorts bejubelt.

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