Freizeitabenteuer "illegaler Einwanderer"

27. Juni 2013, 10:43
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Ein Freizeitpark in Mexico bietet eine ganz besondere Nachtwanderung. Teilnehmer können erleben wie es sich anfühlt, illegal in die USA einzuwandern

Am Strand liegen, vom Buffet naschen, Luxus erleben ist die eine Seite eines erfüllten Urlaubs. Waghalsige Abenteuer, Adrenalinkicks und das Ausloten der eigenen Grenzen die andere. Dafür übernachten Urlauber im Knasthotel oder machen eine Tour durch eine Favela.

Ein bisschen hinein schnuppern in illegale Welten, ein bisschen das Leben riskieren, ein bisschen die eigenen Grenzen ausloten ist für viele das neue Reiseziel geworden und die Angebote dafür wachsen wie die Schwammerl aus dem Boden.

In einem Freizeitpark in Mexiko können Besucher zu Grenzgängern werden und nicht nur ihre Grenzen kennen lernen sondern auch, wie es sich anfühlt, tatsächliche Grenzen zu überwinden. Illegal, heimlich und in Todesgefahr. Und dabei ist alles ganz sicher und die Gefahr dahinter ist nur fiktiv. Im "Parque EcoAlberto" in Hidalgo, etwa zwei Stunden von Mexiko City und 100 Kilometer von der tatsächlichen Grenze zu den USA entfernt, werden Besucher zu illegalen Auswanderern.

Illegale Einwanderung "light"

Während an der Staatsgrenze zwischen den USA und Mexiko an der über 3.000 Kilometer langen Grenze tatsächlich jedes Jahr zwischen 300 und 500 Menschen ihr Leben verlieren, bietet der Freizeitpark illegale Einwanderung "light". In einer vierstündigen Tour bekommen die Teilnehmer bei einer nächtlichen Aktion eine mehr oder weniger reale Vorstellung davon, wie es sich anfühlt, wenn die Angst jeden Schritt begleitet.

Weit weg von der Grenze finden die Teilnehmer sich in einer Umgebung wieder, die bis ins Detail an die tatsächliche Situation der illegalen Grenzgänger erinnert. Ein ruppiger "Coyote", wie die Schleuser in Mexiko genannt werden, erteilt Anweisungen während er die Gruppe durch das Gelände in Richtung "Grenze" treibt. Immer mit dabei ist die Angst davor, erwischt zu werden oder mit einer Verletzung zurück gelassen zu werden. Zimperlich wird mit den illegalen Einwanderern auf Zeit nicht umgegangen, der Umgangston ist rauh, Samthandschuhe trägt niemand. Wer sich auf das Experiment einlässt bekommt einen ziemlich genauen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, wenn man erwischt wird. Die Jäger sind allgegenwärtig und wer aufgegriffen wird, erlebt die Methoden der Einwanderungsbehörde mit zermürbenden Fragen, Handfesseln, Erniedrigungen.

Der Traum vom besseren Leben

Betrieben wird der Park von den HñaHñu, einem indigenen Volk in Mexiko. Ihr Ziel ist es, MexikanerInnen zu zeigen, dass eine illegale Grenzüberschreitung kein Kinderspiel ist. Auch wenn die Nachtwanderung nur einen Bruchteil dessen darstellt, was die Realität liefert, bekommen die Teilnehmer zumindest eine Ahnung, auf welches lebensgefährliche Unterfangen sie sich einlassen. Viele HñaHñu haben Mexiko in Richtung USA verlassen, um illegal in das Land einzuwandern, das scheinbar ein besseres Leben verspricht. Dabei ist nicht nur der Weg dorthin lebensgefährlich, auch das Leben für die illegalen Einwanderer in den USA wird begleitet von Diskriminierung, Schwarzarbeit und Drogengeschäften.

In der Wirklichkeit überlegt die USA, elf Millionen illegalen Einwanderern eine Aufenthaltsgenehmigung und in weiterer Folge die US-Staatsbürgerschaft zu erteilen. Gleichzeitig sollen die Grenzkontrollen zu Mexiko noch weiter verschärft werden mit zusätzlichen 20.000 Grenzsoldaten, Drohneneinsätzen und einem 1.100 Kilometer langen Zaun zwischen Mexiko und den USA. (red, derStandard.at, 27.6.2013)

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    Dass die Realität an der Grenze kein Kinderspiel ist, hält viele Mexikaner nicht davon ab, sich auf das gefährliche Abenteuer einzulassen.

  • Tausende Menschen versuchen jedes Jahr illegal in die USA einzuwandern.
    foto: epa/larry w. smith

    Tausende Menschen versuchen jedes Jahr illegal in die USA einzuwandern.

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    Ein kilometerlanger Grenzzaun soll verhindern, dass die Menschen aus Mexiko in die USA gelangen.

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    Viele werden erwischt und zurückgeschickt.

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