Lemuren aus größeren sozialen Gruppen sind die besseren Diebe

28. Juni 2013, 19:14
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Leben in größeren Familienverbänden fördert die Fähigkeit zur Einschätzung eines anderen Individuums

USA/Durham - Größere soziale Gruppen haben offenbar auch bei zu Halbaffen Einfluss auf ihre soziale Intelligenz, also die Fähigkeit, aus Beobachtungen anderer Individuen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Amerikanische Verhaltensforscher konnten bei mehreren Experimenten mit Lemuren feststellen, dass diese die Aufmerksamkeit ihres Gegenübers besser einschätzen können, wenn sie in einem größeren Verband leben. Die Versuche zeigte etwa, dass Arten, die in kleineren Familien aufgewachsen, sich beim stehlen von Nahrung schwerer tun.

Evan MacLean von der Duke-University in Durham (USA) hatte insgesamt 60 Lemuren aus sechs verschiedenen Arten mit Futterstückchen auf einem Tisch geködert. In den Tests kamen die Tiere an jeweils zwei Teller mit Futter, zwischen denen sie wählen konnten. Vor einem der Teller saß allerdings jeweils ein Mensch, der ihn beobachtete, vor dem anderen einer, der ihm den Rücken zudrehte oder wegschaute.

Die Reaktion der Tiere war deutlich: Die meisten Lemuren erkannten, welcher Teller unbeobachtet war und nahmen sich das Futter von diesem. Die Wahl war allerdings schneller und eindeutiger, wenn das getestete Tier einer Art angehörte, die in größeren sozialen Gruppen lebt. So nahmen die Kattas (Lemur catta), die in Gruppen von mehr als 16 Tieren leben, in mehr als 75 Prozent der Versuche das anscheinend unbeobachtete Futter.

Augenbinden werden nicht erkannt

Die Tiere interpretierten also die Orientierung ihres menschlichen Gegenübers und schlossen daraus auf das mögliche Risiko, entdeckt zu werden - und das umso besser, je mehr Erfahrung sie aus ihrer sozialen Gruppe hatten, schließen die Forscher. Diese Beobachtung des Menschen hatte allerdings Grenzen: In einem weiteren Versuch wurden zwei Menschen vor die Teller gesetzt, die ein schwarzes Band entweder vor den Augen oder vor dem Mund hatten. In diesem Fall fiel die Wahl der Teller bei allen Arten in etwa gleich aus - selbst die Kattas erkannten offenbar die Augenbinde nicht als einen Nachteil des Beobachters, den sie ausnutzen konnten. (APA/red, derStandard.at, 28.06.2013)


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PLOS ONE

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    Kattas leben in Gruppen von mehr als ein Dutzend Tiere. Dies dürfte ihrer Fähigkeit zur Interpretation des Verhaltens anderer Individuen dienen.

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