Reform der Wehrpflicht: Friede, Freude, Vaterland

Kommentar26. Juni 2013, 18:01
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Ob die Maßnahmen einem modernen Wohlfahrtsstaat gerecht werden, kam vor dem großen Plebiszit sehr wohl zur Sprache

Das Volk hat entschieden - und für die Burschen kommt es jetzt noch schöner: Geht es nach dem Papier, das der rote Verteidigungsminister und seine schwarze Regierungskollegin ausgearbeitet haben, könnten bald auch jene, die bisher wegen Beeinträchtigungen dem Dienst am Staat entgangen wären, eingezogen werden - und sich trotz schweren Tinnitus oder hoher Dioptrienwerte kartoffelschälend in einer Heereskantine wiederfinden. Doch nicht nur das: Sobald die Tauglichkeitskriterien nivelliert sind, gibt es nicht nur mehr Wehrpflichtige, auf die die Republik zurückgreifen kann, sondern auch mehr Zivis, die sich bei Blaulichtorganisationen und in sozialen Einrichtungen abrackern.

So wollte es die ÖVP, glorreiche Siegerin der Volksbefragung - und darüber können auch neue Ausbildungsmethoden für Rekruten nicht hinwegtäuschen: Vor allem mit denjenigen Tauglichen, die bereit sind, sogar neun Monate abzuleisten, wird weiterhin beinhart kalkuliert - weil sie nicht nur billige Kräfte, sondern längst Stützen in einem immer stärker belasteten Gesundheits- und Pflegesystem sind. Ob all das zeitgemäß ist, einem modernen Wohlfahrtsstaat gerecht wird, kam vor dem großen Plebiszit sehr wohl zur Sprache. Also herrsche im Sinne der von allen Seiten hochgepriesenen direkten Demokratie auch ob der neuen Tauglichkeitsbestimmungen Friede und Freude - ist ja schließlich alles für das geliebte Vaterland. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 27.6.2013)

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