Prozess wegen Kindesmisshandlung: Kinderleid im Elternelend

26. Juni 2013, 17:54
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Bei Säugling wurden multiple Brüche festgestellt - Eltern bekannten sich nicht schuldig

Und irgendwann platzte auch Birgit Falb der Kragen. Unwirsch unterbrach die Vorsitzende des Eisenstädter Schöffensenats die weitschweifige und sehr selbstbezügliche Rede der 23-jährigen Angeklagten: "Da liegt ein Säugling auf der Intensivstation, und Sie tun sich selber am meisten leid!"

Dieser nicht einmal zwei Monate alte Säugling war die Tochter der Angeklagten. Im Landeskrankenhaus Graz wurden bei dem Baby im vergangenen September multiple Brüche festgestellt, deren Ursache eindeutig wiederholte stumpfe Gewalteinwirkung sind. Ärztliche Kunst und schieres Glück ermöglichten dem Kleinkind damals das Überleben.

Flucht vor dem Jugendamt

Die Mutter und der 25-jährige Vater bekannten sich nicht schuldig. Nur im mitangeklagten Teilaspekt des schweren, gewerbsmäßigen Betrugs - die Übersiedelung von der Steiermark ins südburgenländische Limbach erleichterte das Erschleichen einer zweiten Mindestsicherung - war die Mutter geständig. Diese Übersiedlung diente freilich auch - oder womöglich sogar hauptsächlich - der Flucht vorm steirischen Jugendamt, wo die junge Familie schon mit ihrem Sohn aktenkundig gewesen ist.

Nur das Opfer, die Tat und der Tathergang waren unbestritten an diesem beklemmenden Vormittag im Landesgericht Burgenland. Wer dem zweimonatigen Mädchen was wie angetan hat, wurde zwischen Kindesvater und -mutter - sie lebten in einer katastrophalen, von Spiel-, Drogen- und Selbstsucht verheerten Beziehung - hin und her geschoben. Und auch, wenn Staatsanwalt Christian Petö eher dem Vater glauben mag ("In diesem Fall dürfte es nicht so sein, dass der Mann diese Verletzungen verursacht hat."), gilt no na die zu vermutende Unschuld, wie der Verteidiger der Mutter eindringlich einmahnte.

Einblicke ins Unfassbare

Am Donnerstag kommt auf alle noch ein harter Tag zu. Die von der Bezirkshauptmannschaft Güssing gestellte Opferanwältin beantragte aus Opferschutzgründen den Ausschluss der Öffentlichkeit für die Gutachteraussagen. Die Richterin, die sich diesem Antrag wenig geneigt zeigte, gab, während der Kragen platzte, Einblicke ins Unfassbare.

Sechs Wochen lang wurden der Neugeborenen fast alle Knochen gebrochen. Zuletzt - ein "Berstungsbruch" - der Schädel. Der Gutachter habe den Grund dafür in einem heftigen Aufschlagen auf einer harten Oberfläche gesehen. "Wie zum Beispiel eine Wand." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 27.6.2013)

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