Spitalsärztebefragung: Weniger Arbeitsstunden, mehr Druck

26. Juni 2013, 17:02
3 Postings

Hundstorfer verhandelt über neues Arbeitszeitgesetz

Wien - Spitalsärzte arbeiten im Schnitt weniger als noch vor drei Jahren, der Druck, der auf ihnen lastet, ist aber gestiegen. So lässt sich das Ergebnis einer von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Auftrag gegebenen Befragung von 2000 Spitalsärzten zusammenfassen. Etwa alle drei Jahre wird diese vom Institut für Empirische Sozialforschung (Ifes) durchgeführt, am Mittwoch präsentierte ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer mit Georg Michenthaler vom Ifes die Details für 2013.

In den Genuss der Arbeitszeitreduktion kamen demnach alle Ebenen der Ärzteschaft - vom Mediziner in Facharztausbildung (2006 noch 63, nun 57 Wochenstunden) bis zum Primar (von 57 auf 54 Stunden). Im Gesamtschnitt arbeiteten Spitalsärzte 2006 noch 59 Stunden pro Woche, aktuell sind es 54 Stunden.

In Sachen Arbeitszeit führt Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) derzeit Gespräche mit den Ländern über eine Änderung der aktuellen Gesetzeslage. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA- AZG) lässt einzelne Arbeitswochen mit bis zu 72 Stunden zu und erlaubt am Stück 49-Stunden-Dienste an Wochenenden. Eine Betriebsvereinbarung kann andere Grenzen festschreiben. Um eine solche Vereinbarung für das wissenschaftliche und das ärztliche Personal wurde am Wiener AKH gerungen, Dienstagabend einigte man sich auf ein Modell, das maximal 25 Stunden lange Dienste vorsieht. Im September tritt es in Kraft. Hätte es keine Einigung gegeben, wäre das KA-AZG in Kraft getreten. Die Gespräche in den Ländern über eine Änderung dieses Gesetzes laufen laut Büro Hundstorfer schwierig, ein Ergebnis sei in dieser Legislaturperiode nicht zu erwarten.

Mehr Administratives

Die Arbeitszeit hat sich für Spitalsärzte also reduziert, die administrativen Tätigkeiten haben aber zugenommen. Das betrifft insbesondere Turnusärzte: Sie gaben bei der Befragung an, mehr als die Hälfte ihrer Zeit darauf zu verwenden. Der Schnitt liegt bei 36 Prozent. Turnusärzte verzeichneten auch die höchste Stundenanzahl in Spitzenzeiten (71 Wochenstunden) und die meisten Nachtdienste (im Schnitt 4,6 pro Monat).

Durch Verwaltungsaufgaben fühlt sich fast die Hälfte der Spitalsärzte stark belastet, 40 Prozent nehmen den herrschenden Zeitdruck, rund ein Viertel die "chaotische Arbeitssituation" als stark belastend wahr. Diese Werte waren 2006 und 2010 ähnlich.

Das Ifes wollte von den Befragten erstmals auch wissen, für wie wahrscheinlich es die Spitalsärzte halten, dass sie ihre Tätigkeit im Hinblick auf ihre Gesundheit auch noch mit 65 Jahren ausführen können. 64 Prozent bezeichneten dies als sehr oder eher unwahrscheinlich. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 27.6.2013)

Share if you care.