Spuren eines Tropensturms vor über 300 Millionen Jahren gefunden

30. Juni 2013, 20:25
posten

Forscher finden Abdrücke von Tieren und Pflanzen in einer Fossilienstätte aus dem Karbon

Freiberg - Von einem paläontologischen Glücksfund in Nordafrika berichtet die TU Bergakademie Freiberg: Forscher der TU haben gemeinsam mit Kollegen von der marokkanischen Universität El Jadida einen fossilen Tümpel entdeckt, der sowohl tierische als auch pflanzliche Spuren aus dem Zeitalter des Karbon enthält. Die im versteinerten Schlamm entdeckten Pflanzen- und Tierabdrücke liefern wichtige Informationen zum damaligen Klima.

Die Forscher konnten neben Pflanzenresten auch Tetrapodenfährten, Fischreste, kleine Schalenkrebse sowie Flügel von Schaben und einem libellenartigen Insekt bergen. Die zahlreichen Fossilfunde und Gesteinsproben werden nun ausgewertet. Außerdem wurde bereits ein etwa zwei Quadratmeter großer Kautschuk-Abguss des Tümpels und seines Ihalts angefertigt.

Es war einmal in Góndwana

Vor etwa 305 Millionen Jahren, als diese Region noch zum nordwestlichen Teil des Großkontinents Gondwana gehörte, tobte hier ein Tropensturm. Der Freiberger Forscher Jörg W. Schneider dazu: "Der Tropensturm, der über das damals weit verzweigte Flusssystem im heutigen Atlasgebirge und der Sous-Ebene ausbrach, muss Stämme umgerissen und Äste von den Bäumen gefetzt haben. Katastrophale Regenfälle ließen die Flüsse über die Ufer treten, die schlammigen Wassermassen wälzten sich durch das Becken. Als nach einigen Tagen das Hochwasser wieder fiel, blieben große Tümpel zurück – voll mit Ästen, Zweigen und Blättern."

Entdeckt wurden neben Abdrücken von Farnen, die meistens an feuchten Standorten verbreitet sind, auch bis zu einem halben Meter lange Koniferenäste. Der Fund dieser Nadelhölzer, die trockene Umgebungen bevorzugen, zeigt, dass sich vor 305 Millionen Jahren das Klima des folgenden Erdzeitalters Perm bereits angekündigt und den Lebensraum der Pflanzen und Tiere beeinflusst hat. Schneider: "In der zunehmend trockenen Umwelt konnten sich Nadelbäume besser ausbreiten und andere Pflanzenarten verdrängen." 

Möglicher Hotspot der Evolution

Außerdem stellten die Forscher fest, dass ein aus dem Perm Nordamerikas bekannter Samenfarn der Gattung Dichophyllum in Nordafrika bereits im Karbon aufgetreten ist. Bislang ging man daher davon aus, dass sich dieser Samenfarn im Norden entwickelt hat. Die Farnwedel, die die Freiberger Paläontologen in dem versteinerten Tümpel entdeckt haben, sind aber etwa zehn Millionen Jahre älter.

Ähnliches gilt für einige Tetrapodenfährten, die die Paläontologen in der näheren Umgebung des Tümpels fanden. Für die Evolution und Verbreitung einiger Pflanzen- und Tierarten könnte dies ein völlig neues Bild ergeben. "Möglicherweise ist der Teil Gondwanas, den wir jetzt als Nordafrika bezeichnen, ein wichtiges Evolutionszentrum, ein so genannter 'evolutionary hotspot'." (red, derStandard.at, 30. 6. 2013)

  • Kein alltäglicher Vorgang: Forscher fertigen einen Latex-Abguss der Äste und Zweige in einem fossilen Tümpel aus dem Karbon an.
    foto: tu bergakademie freiberg

    Kein alltäglicher Vorgang: Forscher fertigen einen Latex-Abguss der Äste und Zweige in einem fossilen Tümpel aus dem Karbon an.

Share if you care.