Abstraktionen eines Geschirrspülers

26. Juni 2013, 19:20
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Schnell, spontan und konzentriert: Martha Jungwirth in der Galerie Ulysses

Wien - Es ist eine spannende Ausnahme, wenn in der Galerie Ulysses eine Malerin ausgestellt wird. Denn schließlich ist man dort auf die Klassiker der österreichischen Kunst konzentriert, und klassisch bedeutet nicht selten auch männlich. Martha Jungwirth jedoch ist eine malerische Position, die man ebenfalls als klassisch bezeichnen muss: Wie bei den Kollegen geht es auch ihr um einen emotionalen Ausdruck mit Farbe, die sie schnell, spontan, aber auch konzentriert auf die Leinwand bringt.

Als Mitglied der Künstlergruppe Wirklichkeiten ging die 1940 in Wien geborene Künstlerin allerdings schon früh ihre eigenen Wege: Sie widersetzte sich rasch dem Dogma der Gruppe, realistisch zu malen. Und sie beschäftigte sich oft mit Motiven, die sie deutlich von ihren Kollegen und dem Adjektiv "klassisch" abhoben: So waren es etwa Abstraktionen ihres Geschirrspülers, die sie 1977 zur Documenta brachten.

In den 2000er-Jahren entwarf die Künstlerin Kleider für Virgina Woolf (2003): ein eigentlich abstraktes rotes Gemälde, auf dem man jedoch bei näherer Betrachtung eine Silhouette mit mehreren Kleidern erkennen kann. Die Malerin haben aber immer auch ihre Reisen inspiriert: eine nach Burma zum Beispiel, die sich künstlerisch eher dramatisch niederschlug, aber auch nach Indien, von wo sie handgeschöpftes Papier mitbrachte.

In ihrer aktuellen Schau sind hingegen drei großformatige Aquarelle zu sehen, die Jungwirth eher ihrer näheren Umgebung - etwa dem Verkehrschaos in den 1990er-Jahren an der Spittellauer Lände - gewidmet hat: Aus mit zarten Strichen gemalten Knäueln und unentwirrbaren Haufen tropft ungehindert Farbe nach unten. Ihre jüngsten, um einiges kleineren Ölbilder wirken im Gegensatz zu den fragilen Gemälden beinahe massiv: Trotz des sichtlich kompakten Farbauftrags bringt Jungwirth aber auch hier etwas Leichtes ins Spiel. Nicht nur, weil sie mit Fingern die Farben verschmiert, deren Abdrücke sichtbar blieben, sondern auch weil die Farbe - der Schwerkraft beinahe zum Trotz - im oberen Bildraum "hängt".    (Christa Benzer, DER STANDARD, 27.6.2013)

Bis 20. 7., Galerie Ulysses, Opernring 21, 1010 Wien

 

  • Vom Wohnort Wien inspirierte Arbeit von Martha Jungwirth: "Am Wienfluss" von 2012/2013 (Öl auf Karton, auf Leinen).
    foto: katalin schubert-penk

    Vom Wohnort Wien inspirierte Arbeit von Martha Jungwirth: "Am Wienfluss" von 2012/2013 (Öl auf Karton, auf Leinen).


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