Investoren ist der Appetit vergangen

26. Juni 2013, 18:05
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Direktinvestitionen gingen im Vorjahr weltweit um 18 Prozent zurück. USA bleiben Weltmeister

Genf - Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten haben Investoren im vergangenen Jahr offenbar den Appetit verdorben. Die weltweiten Direktinvestitionen sind laut UNO-Organisation UNCTAD im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 1,351 Billionen Dollar (eine Billion Euro) zurückgegangen. Besonders dramatisch war der Rückgang der Foreign Direct Investments (FDI) in der EU mit einem Minus von 41 Prozent auf 258,5 Milliarden Dollar.

Grenzbalken

Für Österreich wurde ein Minus von 44 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) verzeichnet. Austro-Direktinvestitionen im Ausland gingen 2012 im Vergleich zum Jahr davor um 33 Prozent auf 16,6 Milliarden Dollar zurück. In China und Brasilien stagnierten die Direktinvestitionen im vergangenen Jahr.

Unternehmen würden derzeit auf "wait & see" setzen und ihre Investitionen zurückhalten, sagte UNCTAD-Expertin Elisabeth Türk bei der Präsentation des "World Investment Report 2013" am Mittwoch in Wien. Auch habe Investitionsprotektionismus möglicherweise zum Rückgang beigetragen.

Vorkrisenniveau

Die Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland sind 2012 ebenfalls drastisch gesunken. Deutsche Firmen setzten dagegen mehr Kapital im Ausland ein als im Vorjahr. Das attraktivste Land für internationale Unternehmen und zugleich Weltmeister bei Auslandsinvestitionen bleiben die USA. Zum ersten Mal verbuchten Entwicklungsländer mehr Direktinvestitionen als die Industriestaaten.

Weltweit sanken die Direktinvestitionen mit 1,35 Billionen Dollar erneut unter das durchschnittliche Jahresniveau vor der Finanzkrise 2007 (1,49 Bill. Dollar). Dies zeige, dass die Konjunkturerholung länger brauche als erhofft. Die Gründe seien vor allem anhaltende wirtschaftliche Schwächen und politische Unsicherheiten in vielen Teilen der Welt. Unter anderem verunsichere der US-Haushaltsstreit Investoren.

Deutschland zieht weniger Geld an ...

Zum ersten Mal seit Jahren ist Deutschland nicht mehr in der Gruppe der 20 attraktivsten Standorte für ausländische Direktinvestitionen vertreten. Die Kapitalzuflüsse nach Deutschland brachen den Angaben zufolge von 49 Milliarden Dollar auf nur noch 6,5 Milliarden Dollar ein, was lediglich Rang 39 in der Weltliste bedeutet.

"Der Rückgang ist drastisch, aber kein Grund zur Panik", sagte der Leiter der zuständigen UNCTAD-Abteilung, Jörg Weberl. Ursache seien Sondereinflüsse. So hätten 2012 mehrere ausländische Tochterunternehmen in Deutschland ihren Muttergesellschaft geliehene Gelder zurückgezahlt. Das verringere unterm Strich die Summe der Kapitalzuflüsse.

Angeführt wird die Statistik erneut von den USA, gefolgt von China. Unter den europäischen Ländern verbuchten Luxemburg, Spanien, Frankreich und Schweden mehr ausländische Investitionen als die Bundesrepublik.

... investiert aber fleißig im Ausland

Derweil sind die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland - nach einem Rückgang 2011 - deutlich auf 67 Milliarden Dollar gestiegen. Damit kletterte die Bundesrepublik in der Liste der 20 Top-Investoren vom 11. auf den 6. Platz. Angeführt wird auch dieses Ranking mit Investitionen von 329 Milliarden Dollar von den USA. Auf Platz 2 hielt sich Japan (123 Milliarden Dollar). China kletterte vom 6. auf den 3. Rang (84 Milliarden Dollar).

Für die nächsten Jahre rechnet die UN-Wirtschaftsorganisation damit, dass mehr Konzerne ihre krisenbedingte Zurückhaltung aufgeben. Dadurch könnten die weltweiten Investitionen 2014 auf 1,6 Billionen und 2015 auf 1,8 Billionen Dollar steigen.

Aufstrebende Entwicklungsländer

Hoffnungen verbinden sich mit der Dynamik in Entwicklungsländern, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte. Er verwies darauf, dass 2012 zum ersten Mal mehr Geld in aufstrebenden als in industrialisierten Ländern angelegt wurde.

52 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen gingen demnach in Entwicklungsländer. In die Industriestaaten flossen mit 561 Milliarden Dollar 32 Prozent weniger als im Vorjahr.

Kritisch merkt der UNCTAD-Bericht an, dass nach wie vor hohe Summen über "Offshore"-Finanzzentrum investiert werden, die mit Steuererleichterungen locken. Trotz internationaler Bemühungen zur Eindämmung von Steuerhinterziehung lägen die Zuflüsse mit 80 Milliarden Dollar immer noch weit über dem Niveau vor dem Krisenjahr 2007 und machten etwa sechs Prozent der globalen Investitionen aus. (APA, 26.6.2013)

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    Trotz Riss hält das Sparschwein dicht: Unternehmen würden derzeit auf "wait & see" setzen und ihre Investitionen zurückhalten, weiß die UNCTAD.

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