50 Prozent mehr Beschwerden von Bahnfahrern in Österreich

26. Juni 2013, 13:19
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Schlichtungsstelle der Schienen-Control: Anstieg aufgrund größerer Bekanntheit

Wien - Insgesamt 986 Beschwerden von Fahrgästen des Bahnverkehrs hat die Schlichtungsstelle der Schienen-Control im vergangenen Jahr verzeichnet. Gegenüber 2011 bedeutet das einen Anstieg von fast 50 Prozent. Das führte Geschäftsführerin Maria-Theresia Röhsler am Mittwoch im Zuge einer Pressekonferenz allerdings nicht nur auf wachsende Unzufriedenheit zurück, sondern auch darauf, dass die Schlichtungsstelle bekannter wird.

Von den 986 Beschwerden wurden 775 Fälle bearbeitet. Grund: Eine Befassung der Schlichtungsstelle kann erst erfolgen, wenn bereits Kontakt mit den Bahnunternehmen aufgenommen wurde, dieser aber nicht zu Erfolg geführt hat. Die größte Gruppe (43 Prozent) machen Strafen, Inkassoforderungen und Erstattungen aus. Hier gehe es vor allem um Fahrgäste, die nicht wissen, dass man ein Ticket vor dem Fahrtantritt kaufen muss oder um Fälle, in denen Ticketautomaten defekt waren, schilderte Röhsler.

Falsche Infos und keine Entschädigung

Rund 15 Prozent der Fahrgäste beschwerten sich in der Kategorie Information und Kundenkontakt, vor allem über falsche Informationen durch Bahnpersonal. Auch ausgebliebene Entschädigungszahlungen machen mit zwölf Prozent eine große Gruppe aus. "Hat ein Zug im Fernverkehr mehr als 60 Minuten Verspätung, hat der Fahrgast das Recht auf eine Entschädigung von 25 Prozent des Fahrpreises, sind es mehr als 120 Minuten, auf 50 Prozent", erklärte die Geschäftsführerin der Schienen-Control.

Was als Fernverkehr gilt, entscheidet die Zuggattung. So ist etwa eine Reise im ICE oder im Railjet automatisch Fernverkehr. Wird eine Entschädigung nicht geleistet, können sich Fahrgäste an die Schlichtungsstelle wenden. "Wir sehen uns auch als Vermittler zwischen Fahrgästen und Bahnunternehmen", so Röhsler. Im Jahr 2012 konnten 95 Prozent der eingelangten Schlichtungsfälle positiv abgeschlossen werden, insgesamt erwirkte die Einrichtung Strafnachlässe und Entschädigungen in der Höhe von 45.600 Euro.

Sowohl ÖBB als auch Westbahn betroffen

Beschwerden habe es sowohl über die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), als auch über den privaten Konkurrenten Westbahn gegeben, meinte Röhsler. Die meisten Fälle wurden im Osten des Landes, vor allem in Wien, eingereicht. "Das liegt aber vermutlich an dem höheren Bekanntheitsgrad, den wir hier haben", erklärte die Geschäftsführerin.

Die Schienen-Control arbeite auch aktiv an der Verbesserung der Bahn-Services, so Röhsler. So habe man etwa eine Änderung des Online-Buchungssystems der ÖBB erwirkt. Mit 1. Juli tritt zudem das neue Fahrgastrechte-Gesetz in Kraft. Es gibt der Behörde die Möglichkeit, die Tarifbestimmungen der Bahnunternehmen auf ihre Gesetzmäßigkeit hin zu überprüfen.

Mahnungen müssen verschickt werden

Weitere Neuerungen betreffen unter anderem die Strafen, die direkt im Zug ausgestellt werden: Nun muss das Bahnunternehmen eine Mahnung verschicken, bevor der Fall an ein Inkasso-Büro weitergegeben wird.

Die Schienen-Control ist eine nationale Behörde, die einerseits die Wahrung des Wettbewerbs auf Österreichs Schienen kontrolliert, andererseits aber auch die Durchsetzung der Rechte der Fahrgäste wahrnimmt. (APA, 26.6.2013)

  • Sowohl ÖBB als auch die private Westbahn sind Ziel wachsender Kundenbeschwerden.
    foto: öbb/robert deopito

    Sowohl ÖBB als auch die private Westbahn sind Ziel wachsender Kundenbeschwerden.

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    Die durch die Schienen-Control erreichten Entschädigungen und Nachlässe stiegen auf einen neuen Rekord.

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