Leuchtende Wegweiser durch den Stadtdschungel

15. April 2013, 17:10
posten

Hinter Lichtwerbung für Handel und Behörden findet sich ein niederösterreichischer Familienbetrieb. Kahmann Frilla prägt das Stadtbild mit Schildern und Leuchtbuchstaben. Von den ersten Jahren im Wiener Souterrain bis zu Logos auf dem Donauturm.

Versicherer mögen es gerne blau. Lebensmittelhändler lassen es lieber in Rot und Gelb leuchten. Edle Buchstaben aus Chrom sind an ei-ner Tankstellen eher fehl am Platze. Autohändler jedoch fahren darauf ab. Michael Kahmann assoziiert Unternehmen quer durch alle Branchen mit Farben und Formen. Der Relaunch einer Marke, Rundumerneuerung und Fusionen lassen ihn auf neue Aufträge hoffen.

Dass in Städten und Gemeinden kein Weg an seinem Betrieb vorbeiführt, diesen jedoch kaum ein Österreicher kennt, stört ihn ei-gentlich nicht, sagt der Techniker. Ihm genüge es, wenn er das Ergebnis seiner Arbeit täglich auf den Straßen sehe. Das sei sinnstiftend.

Kahmann fertigt in Altlengbach leuchtende Schilder und Buchstaben. Ob Wegweiser an Bahnhöfen, Leuchtschilder für Handelsketten und die Polizei oder die blau-grünen Bankomat-Zeichen: Sie werden in Niederösterreich von gut 90 Mitarbeitern aus zwölf Gewerbeberufen unter dem Dach von Kahmann Frilla entwickelt und gebaut. Im Vorjahr stieg der Umsatz des Familienunternehmens um 30 Prozent auf 13,4 Millionen Euro.

"Aufs richtige Pferd"

Kahmann führt den Betrieb mit seiner Schwester Christine, einer Betriebswirtin. Auf die Beine gestellt hat ihn ihr Vater. In einem Souterrain in Wien-Ottakring mit Möbeln aus dem Dorotheum ha- be es begonnen. Im ersten Kassabuch sei jeder Bleistift und Radiergummi vermerkt worden, erzählt Kahmann-Rötzer. Alteingesessene Mitbewerber hatten dem Neueinsteiger ein baldiges Ende prophezeit. "Aber er hat aufs richtige Pferd gesetzt und sich mit Innovation und neuen Materialien gegen die starke Konkurrenz behauptet."

Die Kahmanns übernahmen daraufhin einen Betrieb in Altlengbach und fusionierten später mit Frilla, auch um einen Einstieg ausländischer Rivalen zu verhindern. Mittlerweile sieht sich die Familie in Österreich als Marktführer der kleinen feinen Branche, die einen Bedarf der Kunden nicht wecken muss; dieser ergibt sich durch den Wirtschaftswandel von selbst.

Konjunkturkrisen spüre er nur bedingt, sagt Michael Kahmann. 2009 sei fast die ganze Industrie in Deckung gegangen, was die Niederösterreicher damals mehr als ein Viertel ihres Umsatz kostete. Mittlerweile habe man die Einbußen aber wieder ausgebügelt. 2012 sorgten Großauftrage der ÖBB für den Wiener Hauptbahn und Wien Mitte für Schwung. Ersterer wurde mit 3000 Laufmeter an LED bestückt. Auch VW, Peugeot, Hyundai und Kia orderten in Altlengbach. Für die Bank Austria beförderte ein Spezialhubschrauber ihr Logo einst auf den Donauturm. Für heuer ist Kahmann Frilla ob der Auftragslage optimistisch. Ei-ne langfristige Planung sei allerdings kaum mehr möglich.

Lichtverschmutzung

Harte Debatten rund um Lichtverschmutzung und Lichtsmog in großen Städten will Michael Kahmann nicht kleinreden. Neue Auflagen und Technologien reduzierten die Helligkeit ebenso wie den Energieverbrauch, sagt er. Anrainer dürften nicht gestört, Autofahrer nicht geblendet werden.

Die in Österreich bestehenden Auflagen hält er für ausreichend, befürchtet aber weitere Verschärfungen. "Die Frage ist, wie weit ei-ne Lichtwerbung dann überhaupt noch Sinn machen würde." Kahmann kauft die Rohmaterialien in Osteuropa zu. Alle weiteren Ar-beitsschritte, vom Schweißen bis zum Sandstrahlen und Montieren, passieren in Österreich. Niedrigere Lohnkosten im Osten seien verlockend, räumt er ein. An der Fertigung hierzulande werde er jedoch nicht rütteln. Wolle die Politik etwas für den Mittelstand tun, müsse sie den Faktor Arbeit entlasten, sagt er. Auch das Kammersystem sei nicht mehr zeitgemäß.

Kahmann senior sitzt im Beirat des Familienunternehmens. Der Rückzug aus der Geschäftsführung sei ihm nicht leichtgefallen, sagt Tochter Christine. "Der Betrieb ist sein Lebenswerk." Loszulassen sei da nie einfach. Letztlich sei der Weiterbestand des Unternehmens aber das Wichtigste für ihn. Er gebe keine Direktiven, er wolle jedoch stets auf dem Laufenden gehalten werden. Schmunzelnder Nachsatz: "Es ist, als würde die KPMG im Haus sitzen." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12.4.2013)


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei derStandard.at.

  • Artikelbild
    foto: kahmann frilla
Share if you care.