Kein Spielplatz für Zocker

11. April 2013, 17:00
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Eine kleine, aber engagierte Szene an Investoren sucht Glück und Herausforderung in der Welt der Gründer. Über schlaues Geld, die Angst vor Heuschrecken und das Risiko des Scheiterns.

Christoph Prinz hat es nicht so mit Immobilieninvestments. Er wolle sein Kapital und Wissen lieber dazu nutzen, Neues aufzubauen und zu gestalten, vor allem junge Betriebe. Ihn fasziniere etwa die indische Gründerszene. Die Energie ihrer Start-ups entgegen allen Problemen des Landes sei unglaublich, erzählt er. "Junge haben dort Ausbildungen und internationale Joberfahrung, da legt es einem die Ohren an."

Fünf Beteiligungen hat er in Indien und einen entsprechenden Investment Club gegründet. In Österreich stieg er jüngst bei der Social-Media-Anlegerplattform Wikifolio ein und zählt zu den Investoren des Australiers Travis Pittmann, der in Österreich den weltweiten Reisevermittler Tourradar auf die Beine stellt. In der Türkei engagiert er sich bei einem Anbieter von Prepaid-Cards, die dem Bezahlen im Internet dienen.

Es reize ihn, neben Geld vor allem Know-how einzubringen, beim Aufbau von Netzwerken und Kontakten zu helfen, den Weg in den Export zu ebnen, sagt Prinz. Zumal er die Hürde der Gründung einst selbst nahm, dabei aber ohne Investoren auskommen musste.

Prinz baute mit drei Partnern die Flugwerkzeuge Aviation Software auf, die elektronische Flugplanungssysteme entwickelt. Der florierende kleine Wiener Betrieb optimierte 2008 die Flugplanung 25 internationaler Airlines. "Wir gerieten dann auf den Radar großer mächtiger Konkurrenten." Der Luftfahrtkonzern Dubai Aerospace Enterprise versprach, die Geschäfte abzusichern. Mittlerweile sind sie Teil des US-Konzerns Sabre mit 100 Mitarbeitern in Wien.

Der Verkauf war erfolgreich, der Standort sei abgesichert, doch er wolle keine ausführende Kraft eines US-Konzerns sein. Lieber also wieder selbst gründen, resümiert Prinz, "Ideen evaluieren und weitere Partner dafür gewinnen".

Shooting-Stars, Newcomer

Prinz zählt zu einer Generation an Investoren, die finanzielles Glück und unternehmerische Herausforderung in der Gründerwelt suchen. Die Truppe ist überschaubar, aber durchaus umtriebig. Johann Hansmann gilt als Shooting-Star der Szene. Der frühere Pharmaunternehmer hält knapp 20 Beteiligungen, darunter das Sportportal Runtastic, das Ratgeberportal Finderly, die Karriereplattform Whatchado und die Diabetes-App Mysugr. Oliver Holler, der Gründer von Speedinvest, kurbelt den Markt seit Jahren ebenso engagiert an wie Markus Wagner vom Inkubator i5invest. Roman Leydolf un-terstützt Start-ups, seit er seinen Logistikspezialisten im Vorjahr an die Post verkaufte. Michael Altrichter betreibt die Speed Beteiligungs GmbH. Auch Ex-Rewe-Vorstand Werner Wutscher mischt seit kurzem mit.

Klar, das Risiko, dass Investitionen schiefgehen, sei hoch, sagt Prinz. Ein Drittel der Beteiligungen gehe meist nicht auf. Ein Drittel dümple ohne große Sprünge vor sich hin. Die Erlöse aus dem dritten Drittel rechtfertigten aber das Gesamtengagement. Er verstehe die Ängste mancher Gründer, meint Prinz, aber hier seien keine Zocker am Werk, die nach drei Jahren das Zehnfache aus jungen Betrieben rausholen wollten.

Ihm sei das Team wichtig, das hinter Ideen stecke. Geschäftspläne seien "eh schön". Von den Zahlen könne man in der Regel aber die Hälfte vergessen - es lasse sich daraus allerdings gewisse Strukturiertheit der Gründer ablesen.

Er plane langfristige Beteiligungen. Mit Heuschrecken hätten Investoren wie er nichts zu tun, versichert Prinz, die fänden sich eher in der Venture-Capital-Szene. "Es geht um 'smart money'." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 12.4.2013)


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  • Christoph Prinz über Indien: "Da legt es einem die Ohren an."
    foto: prinz

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  • Als "Heuschrecke" sieht sich Prinz nicht - die seien eher in der Venture-Capital-Szene unterwegs.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Als "Heuschrecke" sieht sich Prinz nicht - die seien eher in der Venture-Capital-Szene unterwegs.

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