Deutsche Verbände fordern das Ende der "Mini-Jobs"

25. Juni 2013, 19:24
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Der Minijob sei "kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung" - Sieben Millionen Minijobs gibt es derzeit

Berlin - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) will gemeinsam mit 16 Verbänden eine Reform der inzwischen sieben Millionen Minijobs in Deutschland erreichen. Es sei eindeutig nachgewiesen, "dass der Minijob kein Sprungbrett in reguläre Beschäftigung, sondern eine Niedriglohnfalle ist", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Dienstag in Berlin. SPD und Linke unterstützten den Reformvorschlag.

Perspektive auf sozial abgesicherte Teil- oder Vollzeitbeschäftigung

Ziel der Initiative sei es, reguläre Beschäftigung zu fördern, die Gleichberechtigung zu stärken und den Fachkräftebedarf zu sichern, sagte Buntenbach. Die Beschäftigten, vor allem Frauen, benötigten eine Perspektive auf sozial abgesicherte Teil- oder Vollzeitbeschäftigung.

Die Initiative wird von Sozial- und Frauenverbänden sowie kirchlichen Organisationen unterstützt, außerdem von 23 WissenschaftlerInnen. Der Arbeitswissenschaftler Gerhard Bosch von der Universität Duisburg-Essen erklärte, Minijobs setzten "Fehlanreize". 71,2 Prozent der MinijobberInnen erhielten nur einen Niedriglohn, viele von ihnen müssten auf zentrale Arbeitnehmerrechte verzichten. Der gemeinsame Aufruf sei "ein dringender Appell an die Politik, diese Fehlentwicklungen zu korrigieren", sagte Buntenbach.

Minijob-Regelung "verzerrt Arbeitsmarkt"

"Es droht Armut trotz Job und später Altersarmut", heißt es in dem Aufruf. Die Minijob-Regelung "verzerrt den Arbeitsmarkt und behindert den Ausbau regulärer Teilzeit-Arbeitsplätze mit Perspektive". Die Mehrzahl der Minijobber würde gerne länger arbeiten. "Viele streben eine Teilzeit-Beschäftigung zwischen 20 und 25 Stunden an." Von einer Reform würden sowohl die Beschäftigten als auch der Arbeitsmarkt insgesamt profitieren.

SPD-Frakionsvize Elke Ferner warf der schwarz-gelben Bundesregierung vor, mit der Anhebung der Verdienstgrenze auf 450 Euro die Nachteile von Minijobs noch vergrößert zu haben. "Auch geringfügig Beschäftigte haben Anrecht auf Urlaub, auf Weiterbildung und Lohnfortzahlung", erklärte Ferner in Berlin. Auch darüber hinaus wolle die SPD die Minijobs grundlegend reformieren, kündigte sie an.

Linken-Chef Bernd Riexinger erklärte: "Die Minijobs sind nichts anderes als eine staatliche Subventionierung für prekäre Beschäftigungsverhältnisse." Seine Partei unterstütze den Reformvorschlag des DGB und seiner Bündnispartner. (APA, 25.6.2013)

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