Probleme bei Bankomaten schüren Ängste in China

25. Juni 2013, 18:38
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Bankomaten, die kein Geld mehr ausspucken, und Störungen bei Überweisungen: In China steigt die Angst vor einer Kreditklemme

Wien - In China steigt die Angst vor weiteren Turbulenzen am Finanzmarkt. Systemausfälle bei mehreren chinesischen Banken haben die Furcht vor einer Kreditklemme weiter angefacht. Bei Chinas drittgrößtem Kreditgeber, der Bank of China, gab es am Montag ebenso wie bei der Bank of Nanjing zeitweise Störungen im Überweisungssystem.

Am Sonntag konnten Kunden des Branchenersten ICBC laut Berichten auf dem Kurznachrichtendienst Weibo landesweit an Geldautomaten kein Geld abheben. Den Geldhäusern zufolge waren technische Probleme der Grund für die Ausfälle. Doch Kunden befürchten gravierendere Probleme im Bankensektor. Die Banken sagen, dass das Geschäft mittlerweile wieder reibungslos laufe. Blogger berichteten allerdings, dass sie an einigen Automaten immer noch kein Geld abheben konnten.

Die chinesische Zentralbank hatte mit ihrer Ankündigung, den Markt nicht mehr mit Geld zu fluten, zuletzt nicht nur am chinesischen Finanzmarkt für Unruhen gesorgt. Nun hat die Zentralbank zugesichert, die Marktzinsen wieder auf ein "vernünftiges Niveau" zu bringen. Durch ein angemessenes Liquiditätsmanagement solle ein angemessenes Kreditwachstum sichergestellt werden, sagte Ling Tao, Vize-Chef der Zentralbankfiliale in Schanghai.

Anpassungen notwendig

Dass auf die Welt eine neue Finanzkrise zukommt, die ihren Ausgang in China nimmt, glaubt Colm D'Olier, stellvertretender Fondsmanager des M & G Global Emerging Market Fonds, nicht. "China hat in den vergangenen Jahren eine exzessive Kreditvergabe betrieben, es ist höchst an der Zeit, dass der Interbankenmarkt effektiver wird", sagt D'Olier zum Standard. Dass einige Banken ob der hohen Kreditausstände Probleme bekommen, schließt der Fondamanager nicht aus. China werde seine Banken laut D'Olier aber nicht fallen lassen, da das Land selbst Anteile an den Instituten besitze. "China ist zudem in einer finanziell weitaus besseren Lage als die USA oder Europa, als sie Finanzkrise ausbrach", sagt D'Olier.

Das Problem der chinesischen Kreditbranche wird verschärft durch ein System von Schattenbanken. So reichen zum Beispiel große staatliche Unternehmen günstiges Kapital wesentlich teurer an kleine Firmen weiter. Dieser Markt wird auf 3,7 Billionen Dollar geschätzt. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass eine große Staatsfirma Anleihen ausgibt, die von der Bank gekauft werden. Dieses Geld wird dann an kleine Firmen weitergereicht, die an sich nicht kreditwürdig sind. Der Zins wird so angesetzt, dass sowohl Staatsunternehmen als auch Kreditinstitut daran verdienen - wenn alles gutgeht. (bpf, Reuters, DER STANDARD, 26.6.2013)

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    Die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, die Märkte nicht mehr mit Geld zu fluten, schlug ein wie ein Blitz. Die Börsen haben seither nachgegeben, die Furcht vor einer neuen Finanzkrise wächst.

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