Warum Seekabel im Visier der Geheimdienste sind

    25. Juni 2013, 17:54
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    Glasfaserkabel haben die Verbindung über Satelliten als Bindeglied für die globale Kommunikation abgelöst

    Sie heißen AC-1 oder TAT-14 und transportieren unvorstellbar große Datenmengen: Die Seekabel, die nun in den Mittelpunkt der Enthüllungen um ein mutmaßliches Spähprogramm US-amerikanischer und britischer Geheimdienste gerückt sind, sind so etwas wie die Schlagadern der weltweiten Kommunikation. Als unterseeische Daten-Autobahnen verbinden sie die Kontinente und sorgen mit ihrer immensen Kapazität dafür, dass E-Mails, Internetabfragen und das Streamen von Fernsehfilmen selbst in HD-Qualität reibungslos klappen.

    Seekabelendstelle

    Betrieben wird das globale Netz von Telekommunikationsfirmen. Sie schließen sich üblicherweise in Konsortien zusammen, um sich die Kosten für die Glasfaserkabel zu teilen. Ein zentraler Knotenpunkt auf deutschem Boden ist die von der Deutschen Telekom betriebene sogenannte Seekabelendstelle im ostfriesischen Norden. Dort landet das SEA-ME-WE3-Kabel, das Europa mit Asien verbindet und bis nach Australien reicht. Auch das Kabel TAT 14, das die USA mit Europa verbindet, hat dort eine seiner Verbindungen zu den Datennetzen auf dem Festland.

    An den beiden Kabeln ist unter anderem die Deutsche Telekom beteiligt. Sowohl SEA-ME-WE3 als auch TAT-14 verfügen über Anlandungspunkte in Großbritannien und werden deshalb verdächtigt, zu jenen zu gehören, die der britische Geheimdienst GCHQ laut den Enthüllungen des US-Informanten Edward Snowden im Rahmen des Überwachungsprogramms "Tempora" ausspäht. Zumindest für TAT-14 soll dies nach Berichten deutscher Medien vom Dienstag aus geheimen Unterlagen in Snowdens Besitz auch explizit hervorgehen.

    Außenposten

    Bevor TAT-14 in die USA führt, landet es bei Bude im britischen Cornwall an. Dort unterhält der britische GCHQ auf einer früheren Militärbasis einen Außenposten, wie aus Berichten des "Guardian" hervorgeht, mit dem Snowden bei der Veröffentlichung kooperiert.

    Die Glasfaserkabel haben aufgrund ihrer immensen Kapazitäten in den vergangenen Jahrzehnten die Verbindung über Satelliten als das wichtigste Bindeglied für die globale Kommunikation abgelöst. Ein weiterer großer Vorteil ist die wesentlich bessere Qualität der Übertragung in den Leitungen, in denen Lichtimpulse praktisch ungehindert fließen können. Alles von diplomatischen Berichten über Internettelefonie bis hin zum Austausch von Börsendaten erfolgt heute über solche Verbindungen.

    1,87 Terabit Daten pro Sekunde

    TAT-14 etwa kann nach Angaben der Betreiber 1,87 Terabit Daten pro Sekunde transportieren - eine unglaubliche Menge, die kaum in vernünftige Alltagsrelationen zu übersetzen ist. Das entspricht vielen Millionen gleichzeitigen Telefongesprächen oder Hunderten DVD, die binnen 60 Sekunden parallel übermittelt werden.

    Wie wichtig Seekabel sind, zeigt sich, wenn eine Leitung ausfällt. Im März beschädigte vermutlich ein Schiffsanker das SEACOM-Kabel im Mittelmeer zwischen Europa und Nordafrika, was zu Störungen im Internetverkehr in Afrika führte. Sicherheitsbehörden stufen die Leitungen auch als kritische Infrastruktur ein. Vor einigen Jahren schon veröffentlichte die Enthüllungsplattform Wikileaks geheime Dokumente, wonach die USA die beiden Seekabel TAT 14 und AC 1 mit ihren deutschen Endpunkten bei Norden und auf Sylt als mögliche Anschlagziele einstufen. (aPA, 25.6. 2013)

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