Billigfleisch

25. Juni 2013, 17:05
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Die Arbeiter erhalten drei bis fünf Euro brutto ohne Versicherung, dafür bar und ohne Quittung

Schöne neue Arbeitswelt: Zuletzt ließ die Drogeriekette Dayli aufhorchen, die aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten mehr als 300 Mitarbeitern einen Sozialplan bot, vor deren Annahme Gewerkschafter warnten: nicht unterschreiben, mit einer normalen Kündigung sei womöglich besser.

Natürliches Misstrauen zum Arbeitgeber haben auch Mitarbeiter in Betrieben der deutschen Fleischindustrie, wie Montagabend die ARD- Reportage "Lohnsklaven - Miese Jobs für billiges Fleisch" zeigte. Im Oldenburger Münsterland befinden sich die meisten der Fleischbetriebe Deutschlands. Mehrere beschäftigen Leiharbeiter zu arbeitsrechtlich skandalösen Bedingungen. Die Arbeiter erhalten drei bis fünf Euro brutto ohne Versicherung, dafür bar und ohne Quittung. Oft genug wird nicht alles ausbezahlt.

Wer sich gegen dieses System wehrt, wird mit dem Leben bedroht. Wenn sie zum Anwalt gehe, könne es sein, dass ein Auto sie überfahre, sagte ihr Vorgesetzter, erzählt eine Betroffene. Mehr als hundert Billiglohnarbeiter aus Rumänien und Bulgarien leben in einer früheren Kaserne wie in einem Gefängnis. Wer mit den Reportern redet, fliegt raus. Betriebe wie der Geflügelproduzent Wiesenhof tricksen Kontrolleure aus. Und das, obwohl es keine Arbeitsverträge gibt und die Leiharbeiter der Willkür ausgeliefert sind. Marius Meyer und Michael Nieberg folgen den Werkvertragsfirmen zwischen Rumänien und Costa Brava.

Seit zwei Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft. Vielleicht gehören diese Machenschaften bald der Vergangenheit an. Auf einen gerechten Sozialplan sollten die Mitarbeiter aber nicht erst hoffen. Nachzuschauen auf ardmediathek.de. (Doris Priesching, DER STANDARD, 26.6.2013)

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