Banker machen sich über ihre Retter lustig

25. Juni 2013, 17:46
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Telefonmitschnitte offenbaren den Zynismus führender irischer Banker im Krisenherbst 2008. Eine gründliche Untersuchung steht noch aus

In Irland gerät die Regierung wegen der mittlerweile verstaatlichten Pleitebanken unter Druck. Neu aufgetauchte Telefonmitschnitte haben zu Wochenbeginn verdeutlicht, dass das Management der Anglo-Irish Bank auf dem Höhepunkt der Bankenkrise 2008 den Aufsichtsbehörden wissentlich falsche Angaben machten. Eine vorschnelle Bankengarantie durch die damalige Regierung führte zum Bankrott des Landes im Herbst 2010. Jetzt soll rasch eine parlamentarische Untersuchung einberufen werden, gegen die sich hohe Beamte und Zentralbanker bisher sträubten. "Ich verstehe den Zorn der Menschen, die von diesen Vorgängen betroffen sind", sagte Premierminister Enda Kenny in Dublin.

Auf den bankinternen Mitschnitten, die dem Independent zugespielt wurden, macht sich der damalige Bank-Chef David Drumm über Bedenken der EU-Partner lustig. "Wir wollen nicht zu krass sein, aber Hauptsache, wir kriegen das verfluchte Geld", sagt Drumm und kichert, während sein Abteilungsleiter John Bowe die Hymne "Deutschland über alles" singt - eine Anspielung darauf, dass nach der Bankengarantie die Gelder deutscher Anleger nach Irland flossen.

In einem anderen Mitschnitt reißt Bowe mit einem anderen Anglo-Irish- Banker drei Tage nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 Witze über die Staatshilfe, die ihr Arbeitgeber bei Regierung und Zentralbank beantragt hat. Warum es sich um die Summe von sieben Milliarden Euro handle, wird Bowe gefragt. "Das haben wir uns aus dem Arsch gezogen", lautet die drastische Antwort. "In Wirklichkeit brauchen wir mehr."

Immobilien-Giftmüll

Sollte die Zentralbank aber das Ausmaß der Probleme erkennen, "könnten die glauben, sie haben eine Wahl, verstehen Sie?" Tatsächlich führte die einmal gewährte Staatshilfe dazu, dass Irland dauerhaft für das mit Immobilien-Giftmüll vollgestopfte Institut verantwortlich wurde. Die Kosten beziffern Experten allein für Anglo Irish auf 30 Mrd. Euro. Drei frühere Anglo-Irish-Manager stehen unter Betrugsanklage, darunter der frühere Chairman Sean Fitzpatrick. Ex-Vorstandschef Drumm lebt seit Jahren in Boston und verweigert die Rückkehr nach Irland, wo die Staatsanwaltschaft ihn befragen will. Bowe bestreitet die Irreführung der Zentralbank.

Für Irland ist die Affäre besonders peinlich, weil sie das Ausmaß der Ahnungslosigkeit in Regierung und Aufsichtsbehörden offenbart. In der globalen Finanzpanik nach der Pleite von Lehman Brothers gab die damalige Regierung unter Kennys Vorgänger Brian Cowen eine Pauschalgarantie für alle Bankverbindlichkeiten - also nicht nur für Einlagen - ab.

Um den Bankensektor vor dem Bankrott zu retten, wurde Nama eingerichtet, eine sogenannte Bad Bank für die Schrottkredite der illiquiden Institute. Am Ende musste das Land aber doch die Troika (Europäische Kommission, Internationaler Währungsfonds und Europäische Zentralbank) um ein Hilfspaket von 67,5 Mrd. Euro bitten. Die irische Wirtschaft ist durch die Bankenpleite um 15 Prozent geschrumpft, die Arbeitslosigkeit liegt bei 14 Prozent. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 26.6.2013)

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    Ein Rettungsschirm für Anglo Irish musste her. Die verantwortlichen Banker hatten offenbar vor allem sehr viel Spaß.

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