Für Wrabetz ist "letztes Wort noch nicht gesprochen"

25. Juni 2013, 12:56
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ORF-Generaldirektor: Mit den Geldern der Gebührenrefundierung "wird es leichter, das zu erhalten"

Wien - ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ist der Sturm der Entrüstung angesichts der drohenden Einstellung der Tage der deutschsprachigen Literatur nicht entgangen. "Es ist schon bemerkenswert, wie viel Aufmerksamkeit die Nachricht zum Bachmann-Preis bekommen hat", sagte Wrabetz am Dienstag am Rande eines Pressegesprächs im Wiener Mozarthaus zur APA. "Und natürlich wissen wir, dass das ein wichtiges Anliegen ist. Aber das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen."

Mit den Geldern der Gebührenrefundierung "wird es leichter, das zu erhalten", hofft Wrabetz weiter auf einen Sinneswandel der Politik und eine Weiterführung der Gebührenregelung. Diese brachte dem ORF in den vergangenen vier Jahren 160 Millionen Euro ein. Auf jeden Fall werde man versuchen, mit dem Land Kärnten, mit Sponsoren und der Unterstützung von 3sat den Bachmann-Preis zu erhalten. Der ORF habe den Literaturwettbewerb immerhin mitgegründet, stimmte Kulturchef Martin Traxl zu und verblieb optimistisch: "Da wird es sicher noch positive Gespräche geben."

"Und die Musi spielt dazu" ...

In der Tageszeitung "Kurier" nehmen unterdessen heute einige Literaten Stellung zur laufenden Diskussion. "Was mich am meisten empört, ist, dass am Ende alles so bleibt, wie es ist. Wenn der Bachmannpreis wenigstens tatsächlich abgeschafft würde, dann hätte man immerhin den ERSICHTLICHEN Schaden. Aber so wurde nur wieder unterschwellig suggeriert, dass Literatur etwas Verzichtbares ist. Hingegen das Tanzen und Wandern und Bierschwefel-Verzapfen im Hauptabendprogramm ist unverzichtbar. Und die Musi spielt dazu", wird der Vorarlberger Schriftsteller Arno Geiger zitiert.

Josef Winkler meint: "Wenn man in einem Jahr nur auf einen einzigen ,Musikantenstadl' verzichtet, erspart man sich eine Million Euro ... Und ich finde auch, dass Übertragungen der Formel 1 in einem staatlichen Fernsehen nichts verloren haben." Ganz konträr Bachmannpreisträger Franzobel, der satirisch noch eins drauflegt: "Was wir brauchen, sind Übertragungen von Reifentests der Formel 1, Berichte von Fußballtrainings, Liveschaltungen zum Skiwachseln. Aber doch sicher keinen Literaturlesewettbewerb, kein Juroren-beim-Denken-Zusehen. Poesie? Fad! Das ist doch nicht mehr zeitgemäß. Darum ja, schafft den Bachmannpreis ab, verbrennt alle Bücher, sprengt Bibliotheken, streicht den Deutschunterricht. Bravo. Und die letzten unbeugsamen Leser sperrt ins Getto." (APA, 25.6.2013)

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