Das Goldene Brett für pseudokritisches Denken

Gastkommentar | Igor Eberhard
25. Juni 2013, 15:07

Pseudokritisches Denken hat nicht nur die Universitäten, sondern auch die Medien durchdrungen. Sie lenken aber von den wahren Problemen an den Universitäten ab

Am 24. Juni ist auf derStandard.at ein Gastkommentar erschienen, der sich unter dem Titel "Mit Geisterforschung zum Doktortitel: Esoterik an der Wiener Universität" mit dem Institut für Kultur- und Sozialanthropologie und einigen der wissenschaftlichen Arbeiten dort auseinandersetzt.

Der Artikel von Krista Federspiel ist unseriös, unsauber argumentiert, polemisch, außerdem bescheiden recherchiert sowie auf persönlicher Ebene untergriffig.

1. Vom Fach hat Frau Federspiel offensichtlich keine Ahnung. Zum Beispiel gibt es keinen Fakultätsrektor, die Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) ist Teil der Sozialwissenschaften und nicht der Kulturwissenschaften. Weder sind Schamanismus, Esoterik et cetera Lehrfach, noch werden sie unterrichtet.

2. Es wurden bei dem kürzlich verstorbenen Professor Manfred Kremser wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Themen verfasst, mit dem Ziel einer kritischen, reflexiven und - natürlich - wissenchaftlichen Auseinandersetzung. Wie gelungen einzelne Arbeiten waren, ob sie gut oder schlecht sind und ob sie hätten approbiert werden sollen, ist eine andere Frage.

3. Über Esoterik wissenschaftlich zu forschen bedeutet nicht, Esoterik zu lehren. Auch Veronika Futterknecht unterrichtet vor allem religionsethnologische Themen. Und nein, sie bietet zumindest an der Universität keine Esoterikkurse an, vielmehr forscht sie innerhalb der ARG - Awareness Research Group, einer Forschungsgruppe für anthropologische Bewusstseinsforschung. Sie ist beziehungsweise war vor allem Assistentin am Institut für Religionswissenschaft der Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien.

4. Die Erforschung von religiös-schamanistischen Praktiken ist ein sehr kleiner Nebenbereich der KSA. Es gibt viele Bereiche, die in dem erwähnten Gastkommentar einfach unter den Tisch gekehrt werden, wie Forschungen zu Medien, Migration, Globalisierung, Gender, Arbeiten bei NGOs, Entwicklungszusammenarbeit, Konflikten, Kunst, Körpermodifikationen et cetera. In einigen davon war Manfred Kremser ebenso aktiv, und zahlreiche Arbeiten wurden darin unter seiner Betreuung abgelegt.

5. In der KSA werden verschiedene empirische und qualitative Forschungsmethoden benutzt. Diese bilden die Grundlage jeder wissenschaftlichen Auseinandersetzung und sind überprüf- und nachvollziehbar.

6. Ich habe die im Kommentar angesprochenen Arbeiten nicht gelesen und kann die Qualität beziehungsweise deren Fehlen weder bestätigen noch absprechen. Aber: Im Normalfall können einzelne Sätze oder Satzteile nicht unbedingt sinnvoll stellvertretend für eine wissenschaftliche Arbeit stehen. Ähnlich, wie ein Satz in einem journalistischen Interview auch nicht stellvertretend für ein ganzes Interview stehen sollte. Ein Satz, ein Zitat ersetzt nicht den ganzen Kontext. So zu argumentieren ist ebenfalls unwissenschaftlich. Weiter gedacht steht auch ein Randthema nicht für das ganze Fach.

7. Sollten die genannten Diplomarbeiten und Dissertationen tatsächlich mit einer schlechten oder ungenügenden Note zu bewerten sein, so bleiben sie genau das: schlechte Arbeiten von Studierenden. Vielleicht sogar peinliche. Dann muss daran gearbeitet werden, dass solche Arbeiten in dieser Form nicht mehr zustande kommen beziehungsweise angenommen werden. Hier ist die KSA sicher kein Einzelfall, wie etwa die nachträgliche, sehr negative Beurteilung der wissenschaftlichen Kompetenz unseres ehemaligen Bildungsministers Dr. Gio Hahn beweist. Dies sollte nicht als Entschuldigung für die KSA gesehen werden, überall sind Verbesserungen bei der Qualität der Betreuung von Abschlussarbeiten notwendig und möglich, sofern die dafür notwendigen Mittel bereitgestellt werden.

8. Ich bin auch sehr dafür, pseudowissenschaftliche Thesen wie die zitierten Ansätze von Sheldrake, Emoto und Hellinger zu diskutieren, zu hinterfragen und gegebenenfalls auch als Humbug zu entlarven. Prinzipiell kann dazu auch die KSA ein Hilfsmittel sein - im besten Fall als Ergänzung zu den Naturwissenschaften. Gerade diese Kooperationen waren Manfred Kremser immer wichtig, etwa in Kooperation mit der Medizinischen Universität in Wien. Dieser Aspekt seiner Arbeit wurde komplett unterschlagen.

9. Inhaltlich wird im Artikel kaum auf die Arbeiten von Manfred Kremser eingegangen, der als Wissenschaftler auch zu anderen Themen geforscht hat. Diese Forschungen kann und sollte man auch diskutieren. Er ist aber nicht der Autor dieser von Frau Federspiel zitierten Arbeiten. Aber zumindest eines sollte jedeR, der bei ihm gelernt hat, mitgenommen haben: einen kritischen Geist, um auch die eigene Position und die eigenen Ansichten gründlich zu hinterfragen. Diesen Grundsatz, der für Manfred Kremser selbstverständlich war, sollte sich auch Frau Federspiel zu Herzen nehmen.

10. Es kann keine Diskussion über einzelne WissenschaftlerInnen oder Disziplinen geführt werden, ohne auf den Zustand der Universitäten einzugehen: Die Betreuungsverhältnisse an der Uni Wien sind katastrophal. Auf einen Lehrenden kommen teilweise hunderte Studierende. Die finanzielle Ausstattung vieler Institute ist kaum gewährleistet. Die Universitäten sind seit vielen Jahren chronisch unterfinanziert. Damit ist in sehr vielen Fächern - nicht nur in der KSA ‑ eine sinnvolle Betreuung nur mit massiver Selbstausbeutung noch irgendwie möglich. Letztlich fehlen den Universitäten die Mittel, um eine sinnvolle Betreuung und Lehre zu ermöglichen. Das ist ein Versagen der Bildungspolitik.

11. Gute WissenschaftlerInnen sollten auch ihre eigene Person hinterfragen: Frau Federspiel ist Mitglied der Gesellschaft für kritisches Denken (GWUP). Auch wenn ich einige Aktionen wie das "Goldene Brett vorm Kopf" sehr schätze, der Skeptikerverein ist selbst nicht unumstritten. Dazu die Kritik von Edgar Wunder, einem ehemaligen Gründungsmitglied des Vereins: Er meinte, der Verein widme sich primär der Öffentlichkeitsarbeit für ein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild. (Die Details und der Verlauf der Diskussion sind auf Wikipedia nachlesbar.) In der Wochenzeitung "Die Zeit" wird diesem Verein sogar das Gebaren einer "Politsekte" unterstellt. Dazu passen der Stil und die Form dieser zum Teil untergriffigen, zum Teil unseriösen Polemik.

Meine Stimme für das "Goldene Brett vorm Kopf" 2013 hat Frau Federspiel jedenfalls. (Igor Eberhard, derStandard.at, 25.6.2013)

Igor Eberhard ist Lektor am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und Mitglied der Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung.

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Bei Manfred Kremser habe ich gelernt, wie Aberglaube zustande kommt. Und nicht den Aberglauben an sich.

schön für sie..

..aber offenbar war das bei vielen anderen genau umgekehrt, und durch seine Autorität als Prof. wurden diese in ihrem (Aber)Glauben bestärkt.

siehe die zahlreichen verlinkten Arbeiten oder auch die Aussage ganz am Schluss dieses Podcasts: http://www.talkinganthropology.org/2010/02/1... nt-page-1/

Federspiel wurde indoktriniert

Initiierte Ahnfrau skeptischer Esoterik 2. Ordnung

Polemik, Narzissmus und sich der Mehrheit beugen... Teil 3

ein mehr als unwürdiges Schauspiel.Ein Shitstorm im Schutze eines anonymisierenden Nicknames,das nannte man früher PRANGER.Da durfte der Mob geifern im Schutze der Masse.
Es war ja aufgeheizt von einem affektgesteuertem Lustgreis und einem unkontrollierten Fettsack im TV, die uns wissenschaftliche Disziplin erklären wollen (Cato würde lachen),nur eine Frage der Zeit,bis die Nudelsiebtragende und abkackende Volksbefragungen initiierende Minderheit,die sich hier zusammenrottet,das Institut für KSA und seine Forschung für sich entdeckt,um ihre Polemik zu entfalten und ihrem Narzissmus zu fröhnen,exklusiv die Wahrheit erkennen zu können und zu vertreten.Schändlich ist mMn das erfinden von Wir- und Die Anderen-Gruppen zum Zwecke der Zweitracht.

"der Mob", "Lustgreis", "Fettsack", "Nudelsiebtragende und abkackende Volksbefragungen initiierende Minderheit", "ihrem Narzissmus" etc.

und dann trauen Sie sich auch noch, folgende Aussage von sich zu geben: "Schändlich ist mMn das erfinden von Wir- und Die Anderen-Gruppen zum Zwecke der Zweitracht."

Mein Gott, Sie sind vielleicht ein fertiger Hund. Unpackbar.

Sich einzelne Wörter herauspicken, die Absicht der Polemik und Aussage und Inhalt der bewussten Provokation ignorieren, ist natürlich auch eine Methode, sich der umgekehrten Kritik nicht stellen zu müssen.
Komisch, dass sich alle an den Äußerlichkeiten festbeißen, ohne auf das Zugrundeliegende einzugehen und präjudizierend oder sich der Mehrheit anschließend einfach losdreschen.
Es ist wirklich schändlich, wie ich mich dafür einsetze, dass Menschen nicht öffentlich bloßgestellt werden dürfen.

Gott, bin ich fertig: Ich würd dasselbe für Sie machen.

Interessant, dass es für sie eine Bloßstellung ist, die veröffentlichten Arbeiten von Personen zu zitieren.

Damit treffen Sie eine deutliche Aussage über die Qualität dieser Arbeiten.
Für seriöse Wissenschaftler ist es eine Freude, ihre Arbeit zitiert zu sehen.

eben, wie gesagt: Bei SERIÖSEN Arbeiten ist das ein Vergnügen.

Ach verkaufen Sie sich doch nicht derartig unter Wert, bitte.
Ich kann nicht glauben, dass Sie nicht in der Lage sein sollten, den Unterschied zu verstehen, zwischen dem Zitieren einer Arbeit im wissenschaftlichen konstruktivem Diskurs oder zum Zwecke einer effekthascherischen Polemik.
Ihre Zuweisung, ich würde irgendwo eine deutliche Aussage über die Qualität dieser Arbeiten machen,ist mMn haltlos, weil ich die Behandlung der AutorInnen in diesem Forum völlig vom Inhalt ihrer Arbeiten losgelöst betrachte.
Schlechte Wissenschaft, wie sie hier vorliegt, berechtigt mMn niemanden dazu, Menschen vor sich her zu treiben und einer Öffentlichkeit vorzuwerfen, die mehrheitlich weder die Qualifikation noch die Empathie hat für ein faires Verfahren.

II

Es muss legitm sein, darauf hinzuweisen, dass jemand eine im Akademischen Bereich eine "wissenschaftliche" Arbeit darüber "ob Schamanen wirklich Energie sehen können und deshalb die Meinung dass Geister nur Wahrnehmungsstörungen sind überdacht werden muss" VERÖFFENTLICHT hat.

Und wenn die Methodik unwissenschaftlich ist, kann man das auch feststellen.

Wer nicht will dass sowas passiert, kann eine seriöse Arbeit schreiben.

Die Chose dreht sich im Kreis...

und mir wird langsam übel davon.
Es geht mir nicht um die Arbeiten, die mögen ja von mir aus, schlecht sein, aber es geht einzig und allein um die Art und Weise, wie Federspiel und Berger mit den Persönlichkeitsrechten dieser Menschen umgegangen sind. Wie Sie sich als Whistleblower inszenieren, früher hätt ma g`sagt Denunziant. Irgendeiner hat sich sogar schon entblödet, sie als Märtyrer zu bezeichnen... Der ganze Ansatz ist derart teleologisch, man möcht die hier Versammelten für eine Sekte halten.
Aber Sie finden es sicher auch angebracht, einen untergriffigen Verriss unter ein Buch oder einen Film z.B. auf Amazon zu posten.

Worum es mir geht, verstehen Sie nicht, aber nicht weil Sie es mMn nicht könnten, sondern weil Sie es nicht wollen

Der Unterschied ist ja: Gibt man eine gute wissenschaftlich fundierte Arbeit ab, oder ist die wesentliche Forschungsfrage ob und wozu sich die Leute auf der Donauinsel treffen und die Erkenntnis dass es da vielschichtige Kommunikation gibt - oder gar die Forschungsfrage ob Schamanen wirklich Energie sehen können und deshalb die Meinung dass Geister nur Wahrnehmungsstörungen sind überdacht werden muss.

Klar - mit so einer Diplomarbeit würd ich mich auch angegriffen fühlen wenn die wer aus der Schublade zieht, und mein Name erkennbar wäre.

Eine Diplomarbeit ist eine VERÖFFENTLICHTE Arbeit. Da müssen die Leute schon damit leben, zitiert zu werden. Wenn's die Kommentare dazu für ungerechtfertigt halten können's das ja konkret argumentieren.

"anonymisierenden Nicknames"

Na Gott sei Dank unterschreiben Sie jedes Post mit Name, Anschrift und Telefonnummer.

Polemik, Narzissmus und sich der Mehrheit beugen... Teil 2

angegriffen und beschimpft zu werden.In der Art und Weise wie diese Leute mit ihrer Aggression die Diskussionsgegner bombardieren,sollten sie mMn froh sein,diesen Menschen nicht in natura zu begeben,was in meinen Augen auch der Nährboden ihres Mutes ist.Was uns wieder zum Ausgangspunkt bringt,mit der Kritik solange zu warten,bis das Opfer tor ist.Zu den KSAlern,die hier buckeln und sich der Mehrheit beugen,weil sie sich davon einen Vorteil versprechen,zu denen möchte ich gar nicht mehr sagen.NUR: Dass sie das Grundprinzip ihrer Wissenschaft nicht kapiert haben: Wirklich ist,was Wirkung hat.Wir erforschen NICHT,ob es Geister gibt,sonder wie ihre angenommene Realität auf Gesellschaften wirkt.Mögen die Arbeiten schlecht sein,so ist das, was...

"... so lange zu warten bis das Opfer tot ist."

In ihrem Beitrag spiegelt sich genau die verzerrte Wahrnehmung der Realität, die an den Esoterik-Arbeiten kritisiert wurde. Die Diskussion ist aus meiner Sicht überwiegend sachlich und mit Argumenten geführt worden. Sie hingegen reagieren wie ein fanatischer Gläubiger, dessen religiöser Führer "beleidigt" wurde. Wissenschaft lebt aber von einem offenen Diskurs, der auch polemisch sein darf.

Außerdem trifft ihre Kritik nicht auf mich, sondern auf sie selbst zu, weil ich den Inhalt der Arbeiten an keiner Stelle verteidigt habe, wenn diese den Boden der Wissenschaftlichkeit verlassen haben.
Lesen.

das ist jetzt aber ein lieber kunstgriff
"wenn sie den boden der wissenschaftlichkeit verlassen haben"

hier haben sie das deiner meinung offensichtlich noch nicht:
http://derstandard.at/plink/137... id32204945

(wobei ich das durchaus als "verteidigung der arbeiten" lesen würde)

spannenderweise liest sich das hier schon deutlich anders:
http://derstandard.at/plink/137... id32237890

aber da gehts ja dann nur mehr um die bemessung des urteils.

also, was jetzt?

Lesen Sie die ganzen Posting, und ich meine, die ganzen.
Und kommen Sie dann wieder und haben die Stirn, zu behaupten, die Diskussion wurde durchgängig "sachlich" geführt.
Bevor Sie eine Lanze brechen, verschaffen Sie sich einen Überblick.
Und beachten Sie die Uhrzeiten, wann jemand wie reagiert hat. Zumeist ist Einigen der Kragen geplatzt, nachdem ein Rudel "Wissenschaftler" sie als Esoteriker und mehr beschimpft hat, wie auch mir. Unter dem Eindruck des konzertierten Verbalbombardements haben dann sofort ein paar die Seiten gewechselt, um ein Bussi aufs Bauchi zu bekommen.

Ich wollte vor allem für rhetorische Abrüstung plädieren. Der Aufsatz über die Diplom- und Doktorarbeiten ist kein Angriff auf einen Toten, sondern ein Aufsatz, der auch Empörung erkennen läßt. Aber nicht mehr.

Ich fände es klug, dies als Chance zu einem Diskurs zu begreifen, nicht als Angriff auf eine Autorität. Ihre Aussage "Wirklich ist, was Wirkung hat" wäre ein fruchtbarer Ausgangspunkt. Die subjektive Wahrnehmung ist natürlich vielen Wissenschaftlern zutiefst verdächtig. Dagegen läßt sich vieles sagen. Allerdings erweisen sich die zitierten Arbeiten als vollkommen unbrauchbar als Argumentationshilfe.

Mal ganz abgesehen davon, dass Menschen vor eine Meute gezerrt und bloßgestellt werden, damit die Community einen Shitstorm ergießen kann. So nennt man das jetzt, früher nannte man das noch Pranger.
Es ist in meinen Augen ein unwürdiges Schauspiel, das sich hier abzeichnet, und ich bedaure es, mich emotional engagiert zu haben. Meine Zeit wäre besser genutzt gewesen, als mich hier einer Diskussion anzuschließen, die in Wahrheit nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Sie haben Recht, es wäre notwendig, gewisse Inhalte zu prüfen, zu falsifizieren und in Zukunft zu vermeiden, aber nicht auf Kosten von Mitmenschen, nicht zugunsten eines lachenden Pöbels, damit der sich besser fühlt und die Unis noch mehr an Solidarität und Bedeutung verlieren.
MfG

Ist das nicht übertrieben, von "Meute" und "Pranger" zu sprechen? Ich finde, wer sich in den Geisteswissenschaften engagiert und eine Diplomarbeit verfasst hat, der setzt sich damit auch freiwillig einer Öffentlichkeit aus, die nicht nur freundlich reagieren muss.

Soweit ich sehe, stammen viele Reaktionen hier von Wissenschaftlern, die Vorstufe zur Hinrichtung kann ich da nicht erkennen, wenngleich anonymer Spott und Polemik natürlich nicht wirklich schön sind.

Also die Forderung nach der Aberkennung akademischer Titel, nach der Schließung eines Instituts und nach der Streichung der Fördermittel, das ist in meinen Augen sehr wohl die Vorstufe einer Hinrichtung. Das Verurteilen der gesamten KSA als pseudowissenschaftlich und esoterisch ist mMn sogar Rufmord.
Die meisten Reaktionen stammen nur angeblich von Wissenschaftlern, von Menschen, die sich als solche ausgeben. Erstaunlicherweise haben die "Lautesten" außer Stehsätzen und Argumentbausteinen nix aufzubieten. Und jene, die Ahnung haben, aber keine Disziplin und keinen Respekt vor gesellschaftlicher Heterogenität, das sind mMn keine Wissenschaftler.
Vielleicht sehen sie das anders, aber Wissenschaft ist eine Geisteshaltung, kein Formelheft.

Der Aufsatz von Eberhard provoziert doch geradezu solche Reaktionen. Da widerspricht jemand, obwohl er selber angibt, die Arbeiten nicht gelesen zu haben. Er führt an, auch die Arbeit von DR. Johannes Hahn sei schlecht gewesen. Welch ein Argument!

Wenn jemand aufgrund der Skandale am Institut für Philosophie, mit dem ich verbunden bin, dessen Schliessung bzw. die Aberkennung von Titeln fordert, würde ich mich freuen. Was kann sich eine Universität denn mehr wünschen als eine kritische Öffentlichkeit?

Eberhard hätte nur überzeugen können wenn er gute Argumente angeführt und vor allem wenn er geistreich reagiert hätte. Er hat reagiert wie ein Bürokrat, der seine Behörde verteidigt, und zwar aus Prinzip verteidigt. Das kann nicht gutgehen.

Sollte ein wissenschaftlich geschulter Verstand nicht über der Provokation stehen?
Nun, ich bin auch daran gescheitert.
Aber ich bin an der Polemik gescheitert, die dummstolz vor sich hergetragen wird.
Ja mei, zu Gio Hahn will ich mich nicht äußern, das ist Parteipolitik, fürchte ich, die mit der Sache gar nichts zu tun hat. Angeblich soll die Arbeit etwas mangelhaft sein. Ich bin der Meinung, dass Fehler eben passieren, es gibt kein fehlerloses Buch und keine fehlerlose Arbeit.
Darum ist die Reaktion Eberhards auf die vorgetragene Polemik von Fr. Federspiel für mich gut nachvollziehbar. Insbesondere in Anbetracht des Zeitpunkts der Publikation.

Bei der Arbeit von Johannes Hahn geht es nicht um Parteipolitik, sondern um die Frage, ob es überhaupt eine selbstständige wissenschaftliche Leistung ist. Wenn man sich die Arbeit anschaut kann man nicht zu dem Ergebnis kommen, dies sei der Fall. Ihre Reaktion entspricht genau der Reaktion der Uni Wien: Ja mei, perfekt was halt nicht, aber mei, passiert halt.

Die Arbeit liest sich wie ein Schulaufsatz. Und es ist keine Seminararbeit, keine Diplomarbiet, sondern eine D o k t o r a r b e i t ! Über die Plagiate in dieser Arbeit kann man sich online informieren.

Prof. Hrachovec über Hahns Arbeit: "Die Arbeit ist derartig mies, dass sie kein Plagiatsniveau hat. Das ist abgeschrieben von vorne bis hinten."

Wenn Sie ohnedies der Meinung sind, die Arbeit von Gio Hahn sei mies, warum schreiben Sie dann erst wie einer, der sich hinter Hahn und gegen eine Diffamierung im Netz stellt?
Mir ist die Arbeit von Hrn. Hahn wurscht, weil ich ein eigenes Leben habe und mich nicht auf Kosten andrer aufbudeln möchte und muss.
Und Hexenjagden widern mich an.

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