Kritik: Videofunktion nimmt Instagram die Fantasie

25. Juni 2013, 09:44
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Trotz zahlreicher Online-Präsenzen wären Videos zu intim und zu fantasielos

Nachdem Mark Zuckerberg vor einigen Tagen eine Videofunktion für Instagram ankündigte, konnte das Fotoportal in den ersten 24 Stunden bereits fünf Millionen aufgezeichnete Videos verzeichnen. Schon davor gab es Gerüchte um die neue Funktion, die bei einigen Usern nicht besonders gut ankam. Auf Twitter hagelte es massenweise Kritik. Die Videofunktion würde nicht zu dem Dienst passen, die User fürchteten eine Flut an Videos und kritisierten die fehlende Funktion, Videos einfach auszublenden.

Hauch an Fantasie

"New York Times" Autorin Jenna Wortham, die Instagram selbst intensiv nutzt, hat für die Videofunktion auch nur wenig übrig. Die Videos, die laut Zuckerberg die wichtigen Momente im Leben aufzeichnen und wiedergeben sollten, passen laut Wortham nicht zu Instagram. Das soziale Foto-Netzwerk würde nämlich nicht versuchen, die Realität abzubilden, sondern durch Filter einen Hauch an Fantasie vermitteln. Mit Videos ginge das einfach nicht.

Videofunktion zerstört Fantasie

Fotos hingegen wären unterhaltsam und schöne Bilder könnten Ausschnitte des Lebens besser festhalten. Was dazwischen passiert, wäre für Instagram-User nicht von Interesse. Der Erfolg von Instagram hängt an diesen Lebensausschnitten, die viele User sammeln, um ihr eigenes Leben in wenigen Bildern festzuhalten und mit anderen zu teilen. Instagram konnte so in nur drei Jahren 130 Millionen User gewinnen. Die Fantasie, die durch die Bilder angeregt werden soll und Instagram zum Erfolg verholfen hat, würde durch eine Videofunktion zerstört werden. Die Autorin beschreibt das mit einem Beispiel aus ihrem persönlichen Leben: Während eines Picknicks auf den Dächern von New York versuchte sie ein Video aufzunehmen, doch heraus kam eine Sequenz von wehenden Haaren im Wind, lauter Musik von den Nachbarn und Gesprächen über Verhütung. Ein einziges Foto hingegen hätte die Stimmung deutlich besser eingefangen.

Bild ist nur ein Bruchteil

Die Videofunktion würde zwischen dem, was man von sich preisgibt und dem, was man teilt, einen Graben schaffen. Bilder wären einfacher zu bearbeiten, man kann sie genauso aussehen lassen wie man möchte und sie wirken nichtsdestotrotz perfekt. Für ein Video müsste man sich mehr Mühe geben, länger bearbeiten und sich genau überlegen, was man aufnimmt und was man doch vielleicht lieber auslässt – auch, wenn sich die Menschen schon an ihre Online-Präsenzen gewöhnt haben. Ein Bild auf Instagram ist nur ein Bruchteil eines Moments, der aber noch nicht zu viel verrät, wohingegen das Video intim wäre und genau das für viele User ein Problem sei. (red, derStandard.at, 25.6.2013)

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    Die Videofunktion würde nicht zu Instagram passen, kritisiert Autorin Jenna Wortham

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