Die vergessene Welt: Zehn Jahre Second Life

25. Juni 2013, 09:59
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Die virtuelle Welt ist mittlerweile auf 1.812 Quadratkilometer gewachsen und hat eine Million Nutzer im Monat

Am 23. Juni 2003 öffnete Linden Lab die Tore von Second Life. Die 3D-Welt war als die neue Sensation im Internet und nächste Evolutionsstufe des WWW gefeiert worden. Unternehmen eröffneten virtuelle Zweigstellen, Regierungen eigene Botschaften, Medien berichteten aus Second Life. Mittlerweile ist es still geworden um das zweite Leben. Anlässlich des zehnten Geburtstages gab Linden Lab ein Lebenszeichen von sich.

217.266 virtuelle Jahre

Die Betreiber melden zum Jubiläum 36 Millionen Accounts. Die Vermessung der virtuellen Welt ergibt 1.813 Quadratkilometer. Das entspricht etwa 14 Mal der Stadtfläche von San Francisco. Alle Nutzer haben zusammen 217.266 Jahre in der Online-Welt verbracht.

Verkaufsschlager Damenfrisuren

Für die diversen virtuellen Güter haben die "Bewohner" 3,2 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Von den Nutzern wurden 2,1 Millionen Waren zum Verkauf geschaffen. Die begehrtesten Objekte, die am meisten gekauft werden, sind Frisuren für die weiblichen Avatare. Monatlich zählt Second Life nach Angaben von Linden Lab über eine Million Nutzer und über 400.000 neue Anmeldungen.

Virtuelle Botschaften und FBI-Ermittlungen

Der Hype um Second Life erreichte inden Jahren 2006/2007 seinen Höhepunkt, der mitunter kuriose Ausmaße annahm. Schweden richtete als erstes Land eine virtuelle Botschaft ein. Die Dresdner Gemäldegalerie stellte als erstes größeres Museum virtuelle Kunstwerke aus. Zu den Medien, die direkt aus Second Life berichteten, zählten Reuters und Spiegel Online. Bands gingen auf virtuelle Tournee und sogar österreichische Parteien wie die ÖVP führten einen "Second"-Wahlkampf.

Schnell rückte die Welt ins Visier von Psychologen, die vor virtuellem Sex und Second-Life-Sucht warnten. Das FBI ermittelte wegen illegalen Glückspielen. 2007 verbrachten 30 Prozent der Nutzer 20 Stunden aktiv in Second Life.

Und dann kam Facebook

Der Boom ließ gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts nach. Das junge Netzwerk Facebook konnte immer mehr Nutzer gewinnen, während die Zahlen im Second Life stagnierten. 2010 kündigte Linden Lab ein Drittel der Belegschaft. Wie die Chroniken von Second Life weitergeschrieben wird, bleibt offen. Linden Lab übernahm in den vergangenen Jahren kleinere Unternehmen, startete neue Spiele und brachte Apps für iOS und Android heraus.

Zum Jubiläum sagte CEO Rod Humble in einer Aussendung, Second Life sei ein lebendiger Raum, der mit der Vorstellungskraft und Kreativität seiner Nutzer erfüllt sei. Eine Million Nutzer im Monat seien nach zehn Jahren umso beachtlicher. Gegen die 1,1 Milliarden User von Facebook ist Second Life aber nur mehr eine Provinz des WWW. (Birgit Riegler, derStandard.at, 25.6.2013)

  • Zehn Jahre Second Life in Zahlen.
    grafik: linden lab

    Zehn Jahre Second Life in Zahlen.

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