"Das war für die Monarchie eine günstige Armee"

25. Juni 2013, 05:30
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Die bäuerlichen Großfamilien mussten möglichst viele Soldaten entsenden

Zagreb – 1522 begannen die ersten Investitionen von österreichischen und kroatischen Adeligen in die Verteidigung von Kroatien. 1699, nach dem Frieden von Karlovci, wurde die Militärgrenze erweitert und unter Maria Theresia reformiert, ihre Zentralverwaltung wurde nach Wien verlegt. "Die Regimenter wurden organisiert, die Gesellschaft wurde diszipliniert", so der Historiker Filipović.

Die größten Festungen waren Karlovac, Brod, Osijek und Peterwardein. Bereits im 16. Jahrhundert wurde gezielt Bevölkerung angesiedelt. So wurden etwa Walachen, meist orthodoxe Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich, in das Gebiet gebracht – sie hießen Uskoci, was so viel bedeutet wie "die, die hineinspringen". "Manche waren vorher bei den Osmanen und sind dann übergelaufen", erklärt Filipović. "Denn innerhalb der Militärgrenze waren die Menschen keine Kmeten – Fronbauern – und mussten keine Abgaben leisten." Die Grenzer waren beides – Soldaten und Bauern.

Auf dem gesamten kroatischen Territorium gab es elf Regimenter, sie trugen die Namen der Stabs­orte, nannten sich etwa nach dem Stabsort Otočac Ottochaner. Manche Regimenter waren orthodox. "Aber insgesamt waren sie eher katholisch", so Filipović. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie im Zuge des wachsenden Nationalismus als kroatisch oder serbisch identifiziert.

Die Familien waren so organisiert, dass möglichst viele Soldaten in den Krieg geschickt werden oder für den Militärdienst arbeiten konnten. Chef der oft aus drei, vier Generationen bestehenden Großfamilie war der älteste Mann, der Zadruga. Seiner Frau waren alle anderen Frauen unterstellt. "Diese patriarchalische Familienform wurde den Leuten von den Militärbehörden aufgezwungen, die wollten das gar nicht", so Filipović.

Kriege als Beutezüge

Doch in Wien befand man das System Großfamilie als besonders effizient. Selbst die Militäruniformen mussten die Grenzer selbst herstellen. "Das war für die Monarchie eine sehr günstige Armee", so Filipović. "Die Soldaten haben am Ende nicht viel gehabt. Deswegen waren Kriege immer auch Beutezüge." (awö/DER STANDARD, 25.6.2013)

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