Berlusconi-Urteil: Bunga-bunga und kein Ende

Kommentar24. Juni 2013, 20:53
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Ein "Politikverbot" hätten ihm die italienischen Parteien schon viel früher erteilen müssen

Die drei Richterinnen überlegten immerhin sieben Stunden, um Silvio Berlusconi sieben Jahre Haft aufzubrummen. Die Apologeten des Cavaliere brauchten nach dem Spruch weniger als sieben Sekunden, um der Welt mitzuteilen, dass es sich dabei um ein eklatantes Fehlurteil handle: Wie immer war von "politischer Justiz" die Rede, dazu von "Ekel", von "einem abnormalen und surrealen Urteil, mit einem Verurteilten und keinen Opfern" und natürlich von einem "Attentat auf die Demokratie".

Auswirkungen werde das Urteil, das sagen Berlusconis devote Parteigänger, vorerst keine auf die italienische Politik haben. Anzunehmen ist allerdings, dass der Cavaliere seine Verbände gegen die politischen Verbündeten der "roten Roben" in den römischen Regierungspalazzi ausreiten lassen wird. Schon jetzt wird bei jeder Gelegenheit quergetrieben, in Hinkunft wird das noch schlimmer werden – auch weil weitere Verfahren gegen den 76-Jährigen anstehen.

Dabei wird die prekäre Situation Italiens keinerlei Rolle spielen: Arbeitslosigkeit im 36-Jahres-Hoch, 40 Prozent der Jugendlichen ohne Job, das siebente Quartal Rezession in Folge und 2041 Milliarden Euro Staatsschulden? Egal. Diese Situation hat Berlusconi federführend mitverursacht. Ein "Politikverbot" hätten ihm die italienischen (Oppositions-)Parteien schon viel früher erteilen müssen. Stattdessen hat man Berlusconismus und "Bunga-bunga"-Politik zur Normalität gemacht. Dagegen helfen auch solche Urteile wenig. (DER STANDARD, 25.6.2013)

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