Streitobjekt Med-Uni Linz: Innovation sieht anders aus

Kommentar der anderen24. Juni 2013, 19:18
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Eine Replik auf Josef Pühringers Erklärung, wonach eine medizinische Fakultät in Linz den Standort attraktiver mache

Oberösterreichs Landeshauptmann Pühringer erklärte vor kurzem an dieser Stelle, warum eine medizinische Fakultät an der Uni Linz eine "Steigerug der Attraktivität des Forschungsstandortes Österreich" bedeuten würde. Aus Innsbrucker Sicht ein eher zweifelhafter Befund. 

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Seit geraumer Zeit geht ein Gespenst um in Österreichs Universitätenlandschaft: Die Gründung einer medizinischen Fakultät an der Universität Linz. Toll schreien die einen, eine Katastrophe sagen die anderen. Wer hat recht? Schauen wir uns Konzept und Voraussetzungen etwas näher an:

Als Voraussetzung wird ohne Wenn und Aber der Medizinermangel, der in Zukunft ganz Österreich und im besonderen Oberösterreich treffen soll, genannt. Erst jüngst ist freilich gerade zu diesem Punkt eine bemerkenswerte und aussagekräftige Studie des Österreichischen Bundesinstitutes für Gesundheitswesen im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung und der Österreichischen Ärztekammer erschienen, aus der eindeutig hervorgeht, dass grundsätzlich genügend junge Ärzte und Ärztinnen die Universität verlassen, dass selbige aber auch in besorgniserregender Weise Österreich den Rücken kehren.

Insofern gelangt die Studie zu sehr weisen Konsequenzen: Es kann keinesfalls darum gehen, enorme Ressourcen in die sehr teuren Studienplätze für Mediziner zu investieren, es müssen vielmehr andere Maßnahmen getroffen werden: Attraktivität in den Spitälern steigern, Attraktivität im niedergelassenen Bereich steigern. Das heißt zu Deutsch, den Ärztinnen und Ärzten bessere Berufsbedingungen sowie bessere Gehälter anzubieten. Hier könnte das Land Oberösterreich doch zum Vorreiter werden und für einen Bruchteil des für eine medizinische Fakultät notwendigen Geldes die Arbeitsplätze für Ärztinnen und Ärzte so attraktiv gestalten, dass Oberösterreich von Ärzten geradezu überschwemmt werden würde.

Ohne Profil

Was das Konzept anbelangt, so muss man es als banal und altmodisch bezeichnen: einfach eine weitere medizinische Ausbildungsstätte ohne besondere Profilierung. Warum nicht eine von der EU geförderte Kooperation als gemeinsames Studium mit der Karlsuniversität Prag in englischer Sprache oder mit der Universität Regensburg in deutscher Sprache, warum keine Übernahme amerikanischer Studienpläne, wie es im Fall des außerordentlich erfolgreichen Modells der PMU in Salzburg praktiziert wird, warum kein Blick nach Schweden? Innovation schaut anders aus als das Linzer Konzept.

Aus oberösterreichischer Sicht ist es weiters unerklärlich, warum das Land nicht die bestehenden Fächer stärken und ausbauen möchte. Die Linzer Uni wurde klugerweise gerade im Sinne des Umfeldes als bedeutendster Industriestandort Österreichs strukturiert. Sie weist Exzellenz von Weltrang in den technischen Wissenschaften, den Naturwissenschaften und den Rechtswissenschaften auf. Unbestrittenermaßen gilt der Grundsatz, dass, wenn man Exzellenz stärkt, an die Weltspitze gelangen kann. Dies sollte die JKU wohlüberlegt tun und so Oberösterreich und ganz Österreich stärken.

Nun zu Österreich: Wie bereits betont wurde, sind die bestehenden drei öffentlichen Med-Unis (Wien - Graz - Innsbruck) sowie die PMU Privatuniversität in Salzburg in der Lage, auch für die Zukunft genug Mediziner für Österreich auszubilden. Eine moderate Steigerung der Studienplätze an den genannten Standorten würde im Übrigen einen Bruchteil dessen kosten, was eine neue Med-Fakultät kosten würde, denn die in der Öffentlichkeit bekanntgewordenen Kosten scheinen ohnehin nach oben korrekturbedürftig zu sein. Ist den Proponenten klar, dass keinesfalls die aktuellen Primariate einfach in Universitätsprofessorenstellen überführt werden können? In jedem Einzelfall ist eine Berufungskommission einzusetzen nach den Regeln des § 98 UG. Die hierfür erforderlichen Professoren sind wohl sämtliche von anderen in - und ausländischen Universitäten zu bestellen ebenso wie die Gutachter. Sollte keiner der Linzer Primarii zum Zug kommen, so kann man sich leicht ausrechnen, wie viel eine derartige Verdoppelung von Spitzenpositionen alljährlich kosten würde. Wäre da nicht eine sehr österreichische Lösung angebrachter? Man möge einfach den Herrn Bundespräsidenten ersuchen, den verdienten Primarii den Titel eines Universitätsprofessors zu verleihen!

Aber auch im Allgemeinen ist es evident, dass mit den angeführten Summen bestenfalls eine zweitklassige universitäre Einrichtung geschaffen werden kann. Zum anderen wird aber dieses Geld dringendst von den bereits bestehenden Med-Unis gebraucht. Sie genießen allesamt einen exzellenten Ruf (Med-Uni Innsbruck ist sogar erste österr. Uni im Leiden-Ranking und könnten durch eine erhöhte Finanzierung definitiv an die Weltspitze gelangen.

Liebe politisch Verantwortliche im Bund und Land: Fördert an der Uni Linz die bereits bestehenden Exzellenzen zum Wohle Oberösterreichs und zum Wohle Österreichs und fördert die bereits bestehenden Med-Unis zum Wohle Österreichs und somit auch Oberösterreichs. Erspart uns bitte die Peinlichkeit einer überaus mittelmäßigen und keinesfalls innovativen Medizinischen Fakultät in Linz, die für Bund und Land zum Fass ohne Boden werden könnte. (J. Michael Rainer, DER STANDARD, 25.6.2013)

J. Michael Rainer

ist Professor für Modernes Privatrecht und Römisches Recht an der Uni Salzburg und stv. Vorsitzender des Universitätsrates der Medizinischen Universität Innsbruck.Der 2011 eröffnete "Sience Park" an der Kepler-Uni Linz. - Über die Sinnhaftigkeit weiterer Ausbauschritte in Richtung "medizinische Exzellenz" gehen die Meinungen nach wie vor auseinander. F.: APA

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