Gesucht: Ausweg aus Tiroler Spital-Minus

24. Juni 2013, 18:23
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Gesucht: Ausweg aus Tiroler Spital-Minus Weil Tirols Spitäler die Gemeindebudgets massiv belasten, wird über eine Bündelung unter dem Landesdach nachgedacht. In Niederösterreich hat man das hinter sich - die Begeisterung war freilich nicht überall groß

Innsbruck / St. Pölten / Wien - Allein das Krankenhaus St. Johann war durch Neu- und Umbaumaßnahmen 2012 mit 2,5 Millionen Euro im Minus. Jetzt soll gespart werden: In den Sommermonaten würden täglich durchschnittlich bis zu 40 Patienten weniger behandelt als im Winter. Auf diese unterschiedlichen Kapazitätsanforderungen soll künftig Rücksicht genommen werden. So könnten etwa Überstunden abgebaut werden, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden, heißt es aus der Pflegedirektion.

Kein einziges Tiroler Bezirksspital schrieb 2012 schwarze Zahlen. Alle von Gemeindeverbänden geführten Krankenhäuser (Kufstein, St. Johann, Schwaz, Reutte und Lienz) waren im vergangenen Jahr im Minus. Auch 2011 bilanzierten die Bezirksspitäler nicht positiv, wenngleich sich das Minus mit 3,5 Millionen Euro nicht so dramatisch ausnahm wie 2012 (11,47 Millionen). Da die Gemeindebudgets besonders angespannt seien, fordert der Tiroler Gemeindeverband nun die Übernahme der Bezirkskrankenhäuser durch das Land.

Die Idee einer Spitalsholding ist nicht neu, bereits Elisabeth Zanon, VP-Gesundheitsreferentin bis 2008, versuchte sich daran. Eingegliedert wurde im November 2011 das Bezirkskrankenhaus Hall, das Spital in Schwaz kooperiert bereits mit dem Tiroler Landeskrankenanstaltenbetreiber Tilak. Die rote Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling unterstützt die Forderung der Gemeinden nach einer landesweiten Holding. Die defizitären Bilanzen der Bezirkskrankenhäuser dürften nicht länger ignoriert werden.

Widerstand in Gemeinden

Für Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz ist der Ruf nach einer gemeinsamen Spitalsholding zu wenig. Millionenabgänge dürften nicht einfach von den Gemeinden aufs Land verschoben werden, sie fordere ein Konzept. VP-Gesundheitsrat Bernhard Tilg war am Montag für den Standard nicht erreichbar. Für Mittwoch ist jedenfalls ein runder Tisch geplant. Land, Tilak, Ärztekammer und Gewerkschaft werden "Strukturelles" , also die Finanzsituation, besprechen. Erfahrung mit der Spitalsbündelung hat man in Niederösterreich: 2005 übernahm das Land - respektive die Landesklinikenholding - die ersten Spitäler von den Gemeinden. Obwohl auch dort die Finanzsituation vielerorts angespannt war, entließen einige Gemeinden ihr Spital nicht gerade frohen Herzens in Richtung Land - schließlich verloren sie damit den Einfluss auf Infrastruktur und Jobs. Besonders lang zierte sich etwa das rote Wiener Neustadt gegen eine Übernahme durch das schwarze Land, diese erfolgte 2008. Mittlerweile sind alle 27 Standorte in der Holding zusammengefasst. Synergien ergeben sich dadurch etwa beim Einkauf; zudem plant das Land medizinische Schwerpunkte, längst wird nicht mehr überall alles gemacht.

Diesen Weg geht man auch in Wien, wo die Stadt ihre Spitäler unter dem Dach des Krankenanstaltenverbundes (KAV) gebündelt hat, mit dem Spitalskonzept 2030. Die Zahl der Standorte wird sukzessive von zwölf auf sieben reduziert - inklusive eines großen Neubaus in Floridsdorf.

Wie kürzlich bekannt wurde, gibt es teilweise auch Leistungseinschränkungen: So versorgt das Lorenz-Böhler- Unfallkrankenhaus in Brigittenau ab 1. Juli zwischen 22 und 6 Uhr nur noch Patienten, die mit der Rettung oder dem Hubschrauber eingeliefert werden. Die Ambulanz schließt während dieser Zeit - Grund ist der massive Anstieg der Patientenzahlen. (Verena Langegger, Andrea Heigl, DER STANDARD, 25.6.2013)

  • Im medizinischen Notfall soll das nächste Krankenhaus vor allem nicht zu weit weg sein. Aber wer trägt die Kosten? In Tirol wird laut darüber nachgedacht, die Gemeindebudgets zu entlasten.
    foto: derstandard.at/derler

    Im medizinischen Notfall soll das nächste Krankenhaus vor allem nicht zu weit weg sein. Aber wer trägt die Kosten? In Tirol wird laut darüber nachgedacht, die Gemeindebudgets zu entlasten.

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