Hallstattzeitliche Funde rund um den "Kultwagen von Strettweg"

28. Juni 2013, 19:04
2 Postings

Stadtmuseum Judenburg zeigt Ausstellung mit Funden aus jüngerer Zeit

Graz/Judenburg - Der hallstattzeitliche "Kultwagen von Strettweg" wurde vor 162 Jahren im obersteirischen Strettweg bei Judenburg entdeckt. Neben der Venus von Willendorf und der Schnabelkanne vom Dürrnberg gehört der rund 50 Zentimeter hohe Wagen zu den drei bedeutendsten archäologischen Objekten Österreichs. Er ist im Archäologiemuseum Schloss Eggenberg des steirischen Universalmuseums Joanneum ausgestellt - eine Kopie befindet sich im Stadtmuseum Judenburg, wo eine neue Ausstellung nun weitere Funde aus der Grabanlage präsentiert.

Der Wagen war 1851 von einem Bauern bei Feldarbeiten gefunden worden. Bald stellte sich heraus, dass er Teil eines außergewöhnlich reich ausgestatteten Fürstengrabes aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung war, selbst aber bereits aus dem 7. Jahrhundert stammt. Die Skulpturengruppe zeigt eine Prozession berittener Krieger, einen Mann und eine Frau sowie zwei Personen, die einen Hirsch am Geweih führen. Im Zentrum steht eine nackte, weibliche Figur, die als Göttin anzusehen sein dürfte.

Funde aus 2012

Zwar ist der Wagen das eindeutige Prunkstück, doch gibt es weitere Funde. In Strettweg forscht seit 2004 das steirische Archäologenpaar Georg und Susanne Tiefengraber nach Relikten aus der Hallstattzeit. In mehreren Grabungen haben sie Nachweise für eine Siedlung von ungefähr 50 Hektar Größe, in der zwischen 3.000 und 4.000 Menschen gelebt haben dürften, sowie weitere Fürstengräber gefunden.

Im Herbst 2012 haben sie im Auftrag des Arbeitskreises Falkenberg nochmals die Stelle am Kultwagen-Grab untersucht und rund 4.000 Kleinfunde bergen können, die teils neue Fragen aufwerfen: Offenbar wurde hier die Asche von zwei Männern und zwei Frauen beigesetzt sowie vermutlich ein zweiter Kultwagen am Scheiterhaufen mit verbrannt und im Eingangsbereich der Grabkammer deponiert, erklärt Dieter Stempfle vom Arbeitskreis Falkenberg.

Weiters wurde Pferdegeschirr von mehreren Pferden nachgewiesen. Reicher Frauenschmuck, wie etwa rund 300 Bernsteinperlen, Goldperlen sowie Fibeln weisen eventuell auf ein Fürstinnen- oder Priesterinnengrab hin, so Stempfle. Die aktuelle Ausstellung "Reiterkrieger? Priesterin? Das Rätsel des Kultwagengrabes von Strettweg", zeigt ausgewählte Stücke der jüngsten Funde. Ergänzt werden sie mit Kopien der Funde von 1851.

Die nächste Grabungskampagne ist bereits geplant

Vor wenigen Wochen wurde die Untersuchung eines weiteren Fürstengrabes (Tumulus III) abgeschlossen, die Auswertungen laufen noch. Jüngste Bodenradar-Untersuchungen würden zudem darauf hinweisen, dass das Gräberfeld weitaus größer als bisher angenommen ist. Neben mehreren größeren Gräbern zeigten die Messungen ein überaus großes Grab, dessen Grabkammer etwa 15 x 15 Meter groß sein dürfte, so Stempfle. Hierbei könnte es sich um eines der größten bisher entdeckten hallstattzeitlichen Gräber handeln. Die Grabung will man im Herbst 2013 in Angriff nehmen. (APA/red, derStandard.at, 28. 6. 2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Original des Kultwagens von Strettweg ist im Grazer Universalmuseum Joanneum, Archäologiemuseum Schloss Eggenberg, zu sehen.

Share if you care.