Zarte Steaks, dicke Eier

    24. Juni 2013, 17:12
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    Steak meets Sex: Ein deutscher Online-Fleischversand macht Frauen zur "Fleischware"

    Sommerzeit ist Grillzeit. Die Erfahrung lehrt uns: Wo immer rohes Fleisch auf heißem Rost schmort, ist der Mythos "Steak = Männersache" nicht weit. Der deftige Fleischverzehr als Sinnbild für wahre Männlichkeit - darauf setzen auch Online-Fleischversandhäuser wie zum Beispiel Otto Gourmet, das ein eigenes "Männerpaket" für den Grill anbietet, getreu dem Motto: "Männer lieben Tiere, am liebsten auf dem Rost".

    Sexpliziter geht es bei Gourmetfleisch zu: In seiner aktuellen Werbung präsentiert das deutsche Unternehmen mit Stammsitz in Mönchengladbach Steaks auf entblößter Frauenhaut.

    Sexy Steaks per Mausklick

    "Jungs, kommt grillen!" lautet der Lockruf der Werbeanzeige von Gourmetfleisch, die unter anderem auch in der aktuellen Ausgabe des Männermagazins "Men's Health" abgedruckt ist. Im Blick: der Rücken einer jungen nackten Frau. Die Farbgestaltung der Werbung lässt ihre Haut auf exotisierende Weise "dunkel" erscheinen. Unterhalb ihrer Schulter hängt ein massives Stück Steak, das an einer Metallkette baumelt.

    "Die zartesten Steaks kauft man jetzt online", rührt die Reklame die Werbetrommel. Hier wird Fleischgenuss nicht nur als Teil männlicher Identität inszeniert - er ist auch Ausdruck sexueller Begierde. Denn: "Die Frau isst kein Fleisch. Sie ist Fleisch - und damit Nahrung für den Mann", beschrieb einmal die deutsche Kulturwissenschaftlerin Nan Mellinger auf treffende Weise den symbolischen Zusammenhang zwischen Fleischessen und tradierten Geschlechterbildern.

    Schrei vor ...

    Als Draufgabe beglückt Gourmetfleisch FleischkäuferInnen auf seiner Homepage mit einer Parodie auf Zalandos Frauen-Kreisch-Werbung. Im Videoclip schwadronieren fleischverachtende (lies: lustfeindliche) "Hippie-Emanzen" über Fleischkonsum und Unterdrückung - bis in den eigenen Reihen eine karnivore Verräterin auffliegt.

    Sexismus mit Gourmet-Schleifchen? Dafür gibt es eine wohlverdiente Zitrone. (viyu, dieStandard.at, 24.6.2013)

    • Artikelbild
      foto: andreas kauba
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