"Fußball gehorcht den Spielern, nicht dem Trainer"

Ansichtssache24. Juni 2013, 13:01
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Das Aufgebot an Medienvertretern vor dem verlorenen "Finale dahoam" in der Champions League 2012 in der Allianz-Arena war schon was. Die Medientermine mit dem scheidenden Coach Jupp Heynckes nach dem Triumph in der Königsklasse und dem Triple in der abgelaufenen Saison waren nicht minder beeindruckend. Aber alles in München bisher Dagewesene wurde bei der Präsentation von Josep "Pep" Guardiola am Montag in den Schatten gestellt.

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"Guten Tag, Grüß Gott, meine Damen und Herren", sagte der 42-jährige Spanier vor mehr als 250 Journalisten und in die rund 40 Kameras, die zur Mittagszeit teilweise live übertrugen. "Bitte verzeihen Sie mir mein Deutsch. Ich habe ein Jahr lang in New York gewohnt. Und das ist nicht der optimale Ort, um Deutsch zu lernen." Guardiola freilich parlierte in jener Sprache, die beileibe nicht jeder Katalane spricht, der vorübergehend in die USA ausgewandert ist.

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Guardiola wirkte in all dem Trubel um ihn herum bescheiden, zuvorkommend und höflich. Warum ausgerechnet die Bayern, wurde Guardiola, der sich nach insgesamt 14 Titeln in vier Saisonen mit dem FC Barcelona eine einjährige Auszeit vom Fußball gegönnt hatte, gefragt. "Vor allem wegen der Spieler und der Geschichte des Vereins. Es ist ein Geschenk und ein Glück, hier zu sein."

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Der Spanier übernimmt jedenfalls einen Verein, der mit ÖFB-Teamspieler David Alaba mit der Champions League, der Meisterschaft und dem Cup alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab. Erreicht Guardiola nur eines der Ziele nicht, könnte der Hype um ihn schnell in Kritik umschlagen. " Ich übernehme eine Mannschaft, die außergewöhnlich gespielt hat", sagte er. "Ich muss in der Lage sein, damit zu leben. Ich habe den Druck, ich bin mir dessen bewusst." Aber, und das hielt Guardiola in aller Deutlichkeit fest: "Ich bin bereit."

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Inmitten der Bosse

Flankiert wurde Guardiola bei seiner Präsentation von den Bayern- Granden. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach von "Glück, Stolz und Herausforderung". Präsident Uli Hoeneß, dem in seiner Affäre wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe wohl eine Anklage droht, berichtete von der Gastfreundschaft in Guardiolas Wohnung am New Yorker Central Park. Und Sportvorstand Matthias Sammer, der als Nationalteamspieler gegen Guardiola gekick hatte, erwähnte punkto der nicht gerade blühenden Haarpracht Ähnlichkeiten der beiden Herren.

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Guardiola, obwohl zumeist ein Lächeln auf den Lippen, war auf keine Lacher aus. "Die Mannschaft ist sehr gut. Ich möchte nicht Dinge ändern, nur um etwas zu ändern. Ich muss mich an unsere Spieler anpassen. Fußball gehorcht den Spielern, nicht dem Trainer." Schlagfertig konterte er aber auf die Frage, warum er sich im vergangenen halben Jahr in München nicht hatte blicken lassen. "Meine Deutschlehrerin hat Borussia Dortmund unterstützt. Sie hat mir nicht erlaubt, hierher zu kommen."

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Guardiola, der bei den Bayern 15 Millionen Euro brutto im Jahr - und das zumindest bis 2016 - verdienen soll, will sich noch mit Ex-Trainer Heynckes treffen. "Ich hoffe, dass ich ihn in der nächsten Zeit sehe. Seine Meinung wäre super. Es ist eine große Ehre, sein Nachfolger zu sein." (krud, sid, DER STANDARD, 25.6.2013)

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