Facebook sperrt Seiten von Femen-Aktivistinnen

24. Juni 2013, 10:10
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Politischer Protest kollidiert mit Richtlinien des Social Networks

Geht es nach Facebook, dann hat Nacktheit keine Chance. Denn zu viel bare Haut wird von den Richtlinien des weltgrößten sozialen Netzwerks untersagt. Dies bekamen nun auch die Aktivistinnen von Femen zu spüren.

"Facebook, du machst dich nur lächerlich"

Denn Facebook sperrte zwei Seiten der Frauenrechtlerinnen – den Hauptaccount und jenen für die französische Gruppe. Die offizielle Begründung: Auf den Seiten wäre Pornographie enthalten gewesen.

Wenig überraschend folgte der Sperrung Entrüstung. "Dann haltet ihr also Bilder einer weiblichen Brust für Pornographie?", fragt Femen Germany, ebenfalls auf Facebook. Ist das euer Ernst? Facebook, du machst dich damit nur lächerlich!". Am deutschen Facebookauftritt werden allerdings Brustwarzen per Weichzeichnungseffekt zensuriert, um eben diesen Regeln genüge zu tun. Der französische Auftritt wurde mittlerweile offenbar neu gegründet.

Stillende Mütter und nackte Männer

Es handelt sich längst nicht um den ersten Eingriff Facebooks zur Wahrung der eigenen Richtlinien. Im Januar 2009 sorgte die Entfernung der Bilder stillender Mütter für einen Aufschrei. Jedoch ohne Folgen, solche Bilder werden auch weiterhin nicht toleriert.

Im November 2012 fiel ein Werbesujet des Wiener Leopold Museums dem Regiment des Netzwerks zum Opfer. Die Kulturinstitution hatte auf einem Plakat drei Männer nackt im künstlerischen Kontext abgebildet. Facebook griff ein, weil auch die Abbildung von Penissen nicht von den Richtlinien gedeckt ist. Die Plakate sorgten aber auch offline für einige Aufregung, sodass letztlich die anstößigen Stellen überklebt wurden.

Ellenbögen

Einen Monat später schossen die Zensoren von Zuckerbergs Unternehmen dann über das Ziel hinaus. Das Blog "Theories of the Deep Understanding of Things" lud als Test ein Bild einer Frau in einer Badewanne hoch. Auf den ersten Blick schienen darauf Brüste über den Wannenrand zu ragen, tatsächlich handelte es sich aber nur um aufgestützte Ellenbögen. Prompt wurde das Foto von Facebook gelöscht und abermals zog man sich die Empörung vieler Nutzer zu,

Die Geschichte nahm, von Deutschland ausgehend, ihren Lauf durch diverse Nachrichtenportale. Am Ende sah man bei Facebook den Fehler ein und gab die vermeintlich anstößige Ablichtung wieder frei.

Fotos nach Mastektomie erlaubt

Das letzte Kapitel vor Femen schrieb die Kanadierin Inga Duncan Thornell. Aufgrund von Brustkrebs ließ sie sich Anfang des letzten Jahrzehnts beide Brüste entfernen und ihren Oberkörper als Erinnerung tätowieren. Die Seite Custom Tattoo Design lud vergangenen November ein Foto der Körperkunst hoch, um anderen Krebs-Betroffenen Beistand zu spenden.

Einmal mehr griff Facebook ein und löschte das Bild. Erneut verschwand es kurz darauf und wurde wieder hochgeladen. Als Protest gegen die Entfernung riefen die Tätowierer dazu auf, das Foto möglichst oft zu teilen. "Wir sind aber der Meinung, dass diese Frau tapfer und stark ist", so der Aufruf. "Darum werden wir [das Bild] trotzdem veröffentlichen." In kurzer Zeit klickten über 170.000 User auf "Like". Scheinbar wirkte die Vehemenz der Aktion, denn letztendlich verblieb das Foto auf der Seite. Jedoch verschwanden im Laufe der folgenden Monate ähnliche Bilder auf anderen Seiten, die Frauen nach einer Mastektomie zeigten.

Die Proteste gegen diesen Umgang zeigten aber nun Wirkung. Mitte Juni nahm Facebook offiziell eine Änderung der Richtlinien vor. Das Netzwerk erkennt nun an, dass derlei Aufnahmen einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung in Sachen Brustkrebs darstellen und erlaubt daher ihre Veröffentlichung. (gpi, derStandard.at, 24.06.2013)

  • Facebook hat die Hauptseite und den französischen Auftritt von Femen gesperrt.
    foto: femen germany

    Facebook hat die Hauptseite und den französischen Auftritt von Femen gesperrt.

  • Das Statement dazu von Femen Germany.
    foto: femen germany

    Das Statement dazu von Femen Germany.

  • Vergangenes Jahr waren Plakate des Leopold Museums zu anstößig für Facebook.
    foto: derstandard.at

    Vergangenes Jahr waren Plakate des Leopold Museums zu anstößig für Facebook.

  • Auf dieses Foto fielen auch die Sittenwächter des sozialen Netzwerks herein.
    foto: theories of the deep understanding of things

    Auf dieses Foto fielen auch die Sittenwächter des sozialen Netzwerks herein.

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