Wie gefährlich ist WLAN im Flugzeug?

23. Juni 2013, 19:42
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Für die Passagiere, die sich an dem Nutzungsverbot stören, dürfte es bald Erleichterung geben

Nicht nur unter Flugpassagieren verbreiten sich mobile Geräte mit WLAN. Flugsicherheitsexperten untersuchen auch die zunehmende Abhängigkeit der Piloten von den Geräten.

Die öffentliche Aufmerksamkeit beschränkt sich noch immer auf die Frage, ob Passagieren die Nutzung von Computern, Tablets, Handys und anderen Geräten mit Funknetzwerk-Technik auf dem Rollfeld, beim Start und während der Landung untersagt werden sollte.

Erleichterung

Für die Passagiere, die sich an dem Nutzungsverbot stören, dürfte es bald Erleichterung geben: Es wird erwartet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das Nutzungsverbot von elektronischen Geräten auf niedriger Flughöhe etwas lockern. Das geht aus einem Entwurf hervor, den ein Beratungsgremium der FAA vorbereitet hat, und wird auch von Vertretern der Industrie bestätigt. Damit könnte die übliche Aufforderung im Flugzeug, alle elektronische Geräte auszuschalten, bald der Vergangenheit angehören - ausgenommen für Handys und Smartphones.

Doch einige Branchenvertreter und Beamte fragen sich, ob es unter extremen Umständen noch ein anderes Sicherheitsproblem geben kann: Könnten ähnliche Geräte, die Piloten selbst nutzen, die Systeme des Flugzeugs stören?

Derzeit weiten Fluggesellschaften rund um die Welt die WLAN-Nutzung der Piloten massiv aus – von der Planung der Flugrouten bis zur Bereitstellung der Checkliste für Notfälle.

US-Flugzeugzulieferer Honeywell International musste sich bereits mit ähnlichen Problemen hinter der Cockpit-Tür auseinandersetzen. Das Unternehmen ist gerade im Begriff, den Austausch zahlreicher Bildschirme in Flugzeugen des Typs Boeing 737 abzuschließen, um sie mit neuen auszustatten, die weniger anfällig für elektromagnetische Störungen sind. Es gab in diesem Zusammenhang bislang keine Unfälle oder andere Vorfälle und die US-Flugsicherung forderte nach Untersuchungen keine Änderungen.

Ausfall der Cockpit-Bildschirme vor mehr als zwei Jahren

Als allerdings vor mehr als zwei Jahren bei einer Bodenkontrolle eine besonders starke WLAN-Strahlung in einer Boeing 737 simuliert wurde, flackerten von Honeywell gebaute Bildschirme im Cockpit und fielen teilweise kurzzeitig aus. Auch wenn der Ausfall nur Sekunden dauerte, alarmierte er Flugsicherheits-Beamte – mehrere Branchenpublikationen berichteten über den Vorfall. Daraufhin wurden Warnzeichen eingeführt, die Piloten zeitweise das Aktivieren des Funknetzwerkes im Cockpit untersagen, wenn das Flugzeug mit den problematischen Bildschirmen ausgestattet ist.

Laut Honeywell wurden nach Diskussionen mit Experten der FAA und dem Flugzeughersteller Boeing weitere Maßnahmen ergriffen – beispielsweise eine verbesserte Abschirmung, eine Software-Aktualisierung und andere Modifikationen speziell bei den in 737-Maschinen verbauten Bildschirmen.

Unternehmenssprecher Steve Brecken wiederholte kürzlich, dass es sich um „einen einzigen Vorfall vor mehr als zwei Jahren" gehandelt habe – und zwar bei Frequenzen, die weit über die Bereiche hinaus gingen, in denen Geräte mit WLAN normalerweise funkten. Seitdem sei ein solcher Vorfall nicht mehr vorgekommen. Vergangenes Jahr forderte Honeywell die Fluglinien auf, die Modifikationen freiwillig umzusetzen.

Boeing räumte den zeitweiligen Ausfall der Honeywell-Bildschirme am Boden ein. Die FAA sagt inzwischen, dass das Problem auf die Konstruktion der internen Schaltkreise zurückzuführen sei. Beamte der Behörde testeten immer noch verschiedene WLAN-Systeme, um festzustellen, ob Sicherheitsrisiken bestehen.

Experten unterstützen mobile Geräte im Cockpit

Experten tendieren dazu, die Ausweitung der WLAN-Nutzung im Cockpit zu unterstützen, auch wenn solche Geräte dort näher an kritischen Instrumenten sind. Ein Grund dafür sei, sagen die Experten, dass die jüngsten mobilen Geräte deutlich weniger starke Signale aussenden als frühere Versionen mit WLAN-Funktionalität.

Außerdem sei es weniger wahrscheinlich, dass die von Fluggesellschaften verbreiteten WLAN-Geräte manipuliert werden als die von Flugpassagieren eingesetzten Geräte. Das verringere die Wahrscheinlichkeit von unvorhergesehenen und übermäßig starken Signalen, sagt Philip Levis, Professor für Elektrotechnik und Informatik an der Stanford University.

Der Honeywell-Fall „demonstriert, dass Tests potenzielle Probleme offenlegen und nachweisen können, dass etwas sicher ist", sagt er. (ANDY PASZTOR, WSJ.de/derStandard.at 23.6. 2013)

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