Israel stellt Weichen für Geschäft mit Erdgas

23. Juni 2013, 18:26
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40 Prozent Export, Rest Eigenverbrauch, heißt das geschichtsträchtige Signal

Tel Aviv - Als man vor einigen Jahren rund 100 Kilometer vor der Küste von Haifa auf bedeutende Erdgasvorkommen stieß, wurde das in Israel als eine Art himmlische Fügung empfunden, zugleich ausgleichende Gerechtigkeit für den Ölreichtum der feindlichen Nachbarn und Garantie für Wohlstand und Energie-Unabhängigkeit des jüdischen Staates. Sofort entbrannte aber auch ein Streit, bei dem Politiker, Investoren, Wirtschaftsfachleute, Umweltschützer und Demonstranten auf der Straße mitmischten.

Riesige Leviathan-Vorkommen

Denn es gilt: Wer einen Schatz findet, muss auch entscheiden, wie er ihn verwendet. Nach monatelangen Debatten und Beratungen hat die Regierung nun am Sonntag formal beschlossen, dass Israel 40 Prozent seines Erdgases exportiert und 60 Prozent behält.

Vom Feld "Tamar" wird schon seit März Erdgas aufs Festland gepumpt. Fast doppelt so viel Energie steckt im 2010 entdeckten Feld "Leviathan", das mit 540 Mrd. Kubikmetern der weltweit größte Erdgasfund des letzten Jahrzehnts sein soll.

Kompromiss

Von Anfang an hatten die internationalen Bohr- und Förderunternehmen mit den israelischen Finanzbehörden um den Profit gefeilscht, sprich: die Höhe der an den Staat abzuführenden Lizenzgebühren und Gewinnsteuern. Die Entscheidung über den Exportanteil gilt nun als bestimmend für die Zukunft der israelischen Wirtschaft. Eine Expertenkommission hatte ursprünglich sogar empfohlen, mehr als die Hälfte des Gases ins Ausland zu verkaufen.

40 Prozent sind laut Premier Benjamin Netanjahu ein vernünftiger Kompromiss "zwischen der Notwendigkeit, Energiequellen für Israels Bürger zu sichern, und der Notwendigkeit, Gas zu exportieren, das Einkommen für Israels Bürger generieren wird - wir erwarten uns davon 60 Mrd. Dollar über die nächsten 20 Jahre".

Arbeiterpartei sorgt sich um Preise

Umgekehrt hatten Demonstranten unter den Parolen "Das Gas gehört uns" und "Gasexport stinkt" die Meinung vertreten, durch den Verbrauch des Gases im Inland könnten Steuern und Preise gesenkt werden. Die Chefin der Arbeiterpartei, Schelly Jachimowitsch, befürchtet, dass nur die Investoren verdienen werden - sie sieht in der Exportquote "eine beschämende Kapitulation vor dem Druck der Tycoone" und will dagegen zu Gericht gehen. Zudem plädieren auch Umweltschützer dafür, das relativ billige und saubere Erdgas vor allem für den heimischen Energiebedarf zu nutzen. (Ben Segenreich, DER STANDARD, 24.6.2013)

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