Spanischer Autor Javier Tomeo gestorben

23. Juni 2013, 18:06
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Der in alle großen Sprachen übersetzte Dichter erlag 80-jährig einer Krankenhausinfektion

Barcelona - Kritiker Rafael Conte beschrieb den aragonischen Erzähler und Schreibmaschinenverkäufer Javier Tomeo 1989 als hochgewachsenen Mann "mit den gewaltigen Händen eines Handarbeiters". Tomeos eigentliches Gewerbe war aber das Träumen. In seinen Romanen (zuletzt: Die Silikonliebhaber, 2010) und Erzählungen steht die Welt Kopf.

Ein Vertreter wird an einen imaginären Ort geschickt, um Drehstühle zu verkaufen. Ein Löwenjäger treibt durch seine Telefonate die angebetete Frau in den Wahnsinn. Schädliche Insekten entpuppen sich als weise, großmütige Geschöpfe: In Tomeos Prosawelten ist die geistreiche Schwindelei eine Methode, die Monstrositäten der Wirklichkeit in den Schatten zu stellen. Dabei bediente sich der seit Jahrzehnten in Barcelona lebende Autor eines nüchtern-klaren, ausgehärteten Idioms.

Der in alle großen Sprachen übersetzte Dichter weilte zuletzt wegen Ischias-Beschwerden in einer Klinik in Barcelona. Dort ist er 80-jährig einer Krankenhausinfektion erlegen. Das letzte Buch des gelernten Kriminologen, El Amante Bicolor (Der zweifarbige Liebhaber), soll posthum 2014 veröffentlicht werden. (poh, DER STANDARD, 24.6.2013)

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