ERT-Aus ließ "Stimme des Landes" verstummen

23. Juni 2013, 18:07
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Präsident des Regionalen Presse Instituts: Schließung von ERT mehr als "inakzeptabel" - Regionale Zeitungen gewinnen in Krise an Bedeutung

Chania/Heraklion - Die Schließung des griechischen staatlichen Rundfunks ist für den Präsidenten des Regionalen Presse Instituts (RPI) in Griechenland, Ioannis Garedakis, "inakzeptabel". Aber was danach folgte, sei "noch schlimmer und gefährlicher" gewesen. Denn ERT (Ellinki Radiofonia Tileorasi) sei "nicht nur ein einfaches Unternehmen, sondern die Stimme des Landes" gewesen, so Garedakis. Während die Politik der Regierung in Athen "immer sehr weit weg vom Volk" war, sei der Sender dem Volk nahe gewesen.

Kritik an ausländischen Medien

Für die Krise des Staatsrundfunks macht Garedakis, der auch Gründer und Geschäftsführer der kretischen Tageszeitung "Haniotika Nea" ist, auch ausländische Medien verantwortlich. Sie hätten konstant ein schlechtes Bild von Griechenland in die Welt transportiert, trügen Mitschuld, dass jeder glaube, alle Griechen seien korrupt. Aber dass beispielsweise auch der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die EU viel zu lange zugesehen hätten, werde erst jetzt thematisiert, zeigt sich der Journalist verärgert.

Zumindest seine Zeitung, die bereits seit 45 Jahren existiert, habe durch die Krise keine belastenden Verluste hinnehmen müssen, erzählt Garedakis. Zwar seien natürlich die Einnahmen durch Anzeigen zurückgegangen, die Auflage sei mit etwa 10.000 jedoch gleich geblieben, auch Stellen mussten keine abgebaut werden.

Regionale Zeitungen im Aufwind

Denn regionale Zeitungen - "Haniotika Nea" erscheint im Großraum Chania, der westlichsten Stadt Kretas - gewinnen nach Ansicht des Medienmannes zunehmend an Bedeutung. "Im Gegensatz zu vielen großen, nationalen Zeitungen haben wir die Bindung zum Leser nicht verloren, die Leute vertrauen uns immer noch", erklärt Garedakis. "Wir dienen eben nicht nur der Wirtschaft, sondern dem Leser." Medien, die die Krise - "und damit meine ich nicht nur die Finanzkrise in Griechenland, sondern die Medienkrise weltweit", so Garedakis, überleben wollen, müssten sich an die sozial-ethischen Grundsätze des Journalismus erinnern und ihnen folgen. (APA, 23.6.2013)

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