Felderer warnt Regierung vor großem Konjunkturpaket

23. Juni 2013, 09:30
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Ab Herbst wieder Wirtschaftsaufschwung - Arbeitsmarktservice für Alpine-Pleite gut gerüstet

Wien/Wals - Der Präsident des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, warnt die Regierung trotz Alpine-Pleite und schleppender Wirtschaftsentwicklung davor, ein großes Konjunkturpaket zu schnüren. Vor der Nationalratswahl wieder "Wahlzuckerln" zu verteilen sei kontraproduktiv. "Ab Herbst geht es wieder mit der Konjunktur bergauf", versuchte Felderer zu beruhigen. Der deutliche Wirtschaftsaufschwung in den USA werde unter anderem auch die Wirtschaft Deutschlands und Österreichs anschieben.

Felderer zeigte sich zuversichtlich, dass das heimische Arbeitsmarktservice (AMS) - eines der besten Arbeitsämter Europas - für die Insolvenz des zweitgrößten Baukonzerns Alpine bestmöglich gerüstet sei. "Die Mitarbeiter werden wieder einen Arbeitsplatz bekommen", zeigte sich der Ökonom zuversichtlich. Wenn nötig, werde es Umschulungen für betroffene Mitarbeiter geben. Generell habe es im Bausektor in Österreich Überkapazitäten gegeben."Pleiten gehören zur Marktwirtschaft."

Zuzug von Arbeitskräften

Anstatt eines Konjunkturpaketes empfiehlt Felderer, sich um den dringend notwendigen Zuzug von technischen Arbeitskräften aus dem Ausland zu kümmern. Hier gehe es um die Wirtschaftspolitik der nächsten zehn bis 20 Jahre. Österreich brauche eine liberalere und unkonventionellere Einwanderungspolitik, um Wissenschafter und Techniker nach Österreich zu holen. Die "Rot-Weiß-Rot"-Karte - angelehnt an das Migrationsmodell in Kanada - sei "etwas schwerfällig", so der Ökonom. Derzeit gebe es die einmalige Chance, gut ausgebildete Arbeitskräfte aus Südeuropa - etwa Spanien, Italien und Griechenland - nach Österreich zu holen. Deutschland sei im Gegensatz zu Österreich bei der Anwerbung sehr aktiv und habe die Chance sehr gut genutzt. "Humankapital ist das Wichtigste für unsere Wirtschaft", betonte Felderer.

Im heimischen Pensionssystem sieht der Präsident des Staatsschuldenausschuss dringenden Handlungsbedarf. "Ein Eingriff ist dringend notwendig." Österreich sei "weiterhin Weltmeister bei Frühpensionen". Auch bei Förderungen und Subventionen gebe es noch genügend Möglichkeiten einzusparen. (APA, 23.6.2013)

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