Schönborn sucht Dialog mit Kritikern

21. Juni 2013, 19:39
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Es soll keine innerkirchliche Nabelschau werden. Dennoch lädt Österreichs katholische Kirche explizit auch Kritiker aus den eigenen Reihen - etwa die Pfarrer-Initiative oder die Plattform "Wir sind Kirche" - zum Gespräch. Man will über "drängende Themen in der Gesellschaft und Kirche" reden, wie Kardinal Christoph Schönborn am Freitag erklärte. "Zukunftsforum" nennt sich dieser geplante institutionalisierte Dialog, der ab Herbst 2014 beginnen soll.

Bei ihrer Sommervollversammlung diese Woche in Mariazell haben sich die Bischöfe auf vier Grundthemen geeinigt: "Familie und Beziehung", " Bildung und Arbeit", "Kirche und Gesellschaft in Österreich" sowie " Gerechtigkeit und Ökologie weltweit". Die genauere Ausformung dieser sehr breit angelegten Themenpalette soll noch erarbeitet werden. Klar ist für Kardinal Schönborn, dass Parteienvertreter, Vertreter andere Religionsgemeinschaften und Experten dazu eingeladen werden. Was am Ende herauskommen soll? Schönborn ausweichend: "Es gibt so viel Interessantes voneinander zu lernen." Es gehe aber auch darum, "gemeinsame Positionen zu artikulieren". Bei der Plattform "Wir sind Kirche" freut man sich zwar über die Einladung fürs Zukunftsforum, bleibt aber skeptisch. "Wir werden uns jedenfalls einbringen. Aber wir werden auch das sagen, was wir für wichtig halten: Die heißen Eisen dürfen nicht ausgeklammert werden", sagt der Vorsitzende Hans Peter Hurka zum Standard - ein Muss sei beispielsweise der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.

In einem Punkt treffen sich Hurka und Schönborn: Der neue Papst begeistert beide. Die "einfache, offene und bescheidene Lebensführung" von Papst Franziskus könne als "Absage gegen ein gewisses kirchliches Machtdenken und eine übertriebene Ästhetisierung der Rituale" gesehen werden, erklärte der Kardinal. Hurka glaubt, dass die "tiefen Krisen der Kirche noch lange nicht überwunden sind", er sieht aber dennoch nun Chancen auf eine Erneuerung der Kirche. (Peter Mayr, DER STANDARD, 22.6.2013)

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