Brummiger Bariton

21. Juni 2013, 19:28
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Paolo Conte tritt am Montag im Rahmen des Jazzfests Wien in der Stadthalle auf

Es gab doch tatsächlich eine Zeit, in der die Lieder und die Stimme Paolo Contes nicht zwingend zusammengehörten und der 1937 im norditalienischen Asti geborene Sohn eines Rechtsanwalts vor allem für andere Sänger schrieb. Mittlerweile ist der raue, brummige Bariton Paolo Contes nicht nur untrennbar mit den manchmal versponnenen, poetischen Liedtexten des 76-Jährigen verbunden, sondern zu seiner Trademark und darüber hinaus zur Signatur der gesamten italienischen Cantautori- (Liederma- cher-)Szene mutiert.

Dass Conte kommenden Montag im Rahmen des Jazzfests Wien in der Stadthalle auftritt, macht Sinn. Denn der Jazz spielte bei ihm schon früh eine große Rolle: Die Musik Fats Wallers und Duke Ellingtons beeindruckte ihn bereits als Teenager, er lernte Klavier, Vibrafon und Kazoo, während des Studiums spielte Conte in diversen Dixieland-Combos. Um 1960 begann er gemeinsam mit seinem ebenfalls als Liedermacher tätigen jüngeren Bruder Giorgio, eigene Stücke zu schreiben, zunächst ohne, später mit Text - allerdings für andere Interpreten: Adriano Celentano komponierte er Hits wie La coppia più bella del mondo und Azzurro auf den Leib, auch Patty Pravo, Enzo Jannacci und Bruno Lauzi sangen seine Lieder. Erst 1974 versuchte Conte sich auf dem Album Questa sporca vita als Interpret seiner selbst, mit Un Gelato Al Limon gelang ihm 1979 der Durchbruch. Der Jazz blieb ein Thema: Nicht nur kehrte Paolo Conte im Rahmen seiner Aufnahmen immer wieder zu seinen Wurzeln zurück. In New York absolvierte er im Blue-Note-Club gar ein zweitägiges Gastspiel: Es war dies die Erfüllung eines lange gehegten Herzenswunsches. (felb, DER STANDARD, 22./23.6.2013)

 

 

24.6., Wien, Stadthalle, www.viennajazz.org, 19.30

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