AKH: Krebstherapie-Klinik schränkt Betrieb ein

21. Juni 2013, 18:46
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Ab 1. Juli wird die Klinik für Strahlentherapie am Wiener AKH für zwei Wochen keine neuen Patienten aufnehmen und die Ambulanz schließen. Grund ist das Auslaufen der alten Betriebsvereinbarung

Wien - Die Betriebsvereinbarung für das medizinische und wissenschaftliche Personal der Med-Uni Wien (MUW) läuft mit Ende Juni aus, am Freitagnachmittag wurde intensiv über neue Dienstzeitmodelle verhandelt - erneut ohne Ergebnis. Nächste Woche wird es eine weitere Sitzung von Rektorat und Betriebsrat geben, hieß es von einem MUW- Sprecher. Unabhängig davon, ob man sich einigt und davon, worüber, sieht man sich in der Abteilung für Strahlentherapie am Wiener AKH dazu gezwungen, die Ambulanz vorübergehend zu schließen.

In einem internen Schreiben, das dem STANDARD vorliegt, teilte der Vorstand der Abteilung mit, der Patientenbetrieb müsse "ab 1. Juli deutlich reduziert" werden, für einen Zeitraum von zwei Wochen würden die Ambulanzen geschlossen und erst ab 15. Juli wieder neue Patienten aufgenommen. Man rechne damit, dass die Leistungen auf lange Sicht um 20 bis 30 Prozent reduziert werden müssen. In ganzen Zahlen bedeutet dies, dass 500 bis 600 Krebspatienten pro Jahr weniger behandelt werden könnten.

Die Schließung der Ambulanz für die ersten zwei Juliwochen sei unabdingbar und unabhängig vom Verhandlungsergebnis um die Betriebsvereinbarung, da es in jedem Fall zu einer Einschränkung kommen werde, sagte Richard Pötter, Leiter der Uni-Klinik für Strahlentherapie am Freitag dem STANDARD. "Eine personell gut ausgestattete Klinik kann möglicherweise gewisse Einschränkungen verkraften, wir können in der Strahlentherapie aber leider nicht noch mehr kompensieren wie in den letzten Jahren", ergänzte er - mit Einschränkungen sei so oder so zu rechnen. Es seien einige ärztliche Stellen aus budgetären Gründen von der Med-Uni Wien nicht nachbesetzt worden, der Arzt-Patienten-Schlüssel bei der Strahlentherapie liege zum Beispiel signifikant unter dem der KAV-Spitäler. "Ich kann meinen Mitarbeitern nicht noch mehr unbezahlte Überstunden zumuten", sagte Pötter. Die schlimmste aller Möglichkeiten sei nun, wenn es zu gar keiner Einigung kommen würde. Dann träte mit 1. Juli automatisch das Krankenanstaltenarbeitsgesetz in Kraft - wobei das Rektorat am Freitag dem Betriebsrat angeboten haben soll, die alte Vereinbarung noch um drei Monate zu verlängern, wie ein Sprecher mitteilte. Der Betriebsrat habe sich Bedenkzeit erbeten.

Das Krankenanstaltenarbeitsgesetz sähe einen zwölfstündigen Schichtbetrieb vor, durch den in der Kernarbeitszeit zu wenig ärztliches Personal verfügbar wäre. "Dann würden uns für die Ambulanzen sechs Leute fehlen ", sagt Pötter - von bisher 14. Man habe sich zur vorübergehenden Sperre entschieden, um die Behandlungsqualität garantieren zu können - wobei es nur sehr eingeschränkte Alternativen für Patienten in Wien und Umgebung gibt.

Aus dem Büro des Med-Uni-Rektors Wolfgang Schütz verwies man Freitagnachmittag in Bezug auf die Ankündigung Pötters auf die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen zur Betriebsvereinbarung. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 22.6.2013)

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    Für das AKH wurde am Freitag über eine Betriebsvereinbarung verhandelt. Unabhängig davon, kündigte die Klinik für Strahlentherapie eine Sperre an.

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